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Всё о балалайке

 KULTURGESCHICHTE  -  ONTOGENESE  -  AUFBAU  -  TECHNIK

7 Kapitel  über  die  russische  Balalaika 

   Informative  Website

über  das russische Musikinstrument  BALALAIKA

und mit der Balalaika verwandte Instrumente.

Die  Webseite  wird  stetig  aktualisiert  und  korrigiert. Es gilt immer die  neueste Version.

Letzte Aktualisierung: am  18. 09. 2022

Die  russische  Balalaika 

und  ihre  Verwandtschaft   mit   den  alt-orientalischen,

alt-russischen, finno-ugrischen, kaukasischen und asiatischen

Saiteninstrumenten.

TANBUR, DOMBRA, DOMRA, BANDURA, GUSLIPSALTERIUM,

и др.

Die folgenden Links sind webseiten - i n t e r n e  Links:

Balalaika aus Holz    -    Kürbisbalalaika    -    Persische Tanbur    -   Gusli  Psalterium    -    Kantele    -   Gudok  -   Jouhikko   -   Dombra   -  Domra 

Baglama   -   Bandura   -   Kaukasus-Balalaika   -   Kalebasseninstrumente

Russische Balalaika. Typ: Andrejew-Balalaika (seit 1895). Allgemeiner Aufbau.

BILDER  EINER  AUSSTELLUNG

Bilderrahmen  bestimmen  das  Design dieser  Website.  Die  eingefügten  Texte und Bilder haben die russische Balalaika zum Inhalt.

Das nebenstehende "Exponat" zeigt eine Balalaika  aus der Werkstatt von Iwan A. Sjusin, St. Peterburg, um 1900.

Bemerkenswert  sind  2 besondere Merkmale, die zu dieser Zeit viele Balalaiken aufwiesen:

1.  Schallöffnung ist gestaltet als Fenster

     einer  russischen  Bauernhütte (Isba´) 

2. Geigen-Steckwirbel.

Heutige Balalaiken haben ein rundes Schallloch und eine 90°- Wirbelmechanik, mit senkrecht stehenden Spul-Achsen und seitenständigen Stell-Wirbeln.

Balalaika-Form   und   Balalaika-Klang

 

DAS  TRIGONIUM

        

Während viele  Zupf- und Streichinstrumente  (z.B. Violinen, Gitarren und  Flach-Mandolinen)  gerundete  und  ausgeklügelte  kurvenreiche  Formen besitzen,  präsentiert  sich  die  russische  Balalaika  in einer puristischen

DREIECKS-FORM  ( TRIGONIUM ).  Das  Dreieck  der  Instrumentendecke gilt als das typische optische Erkennungszeichen der Balalaika.

Für den  ungewöhnlichen und unverwechselbaren  BALALAIKA-KLANG 

ist aber die Dreiecksform nicht allein massgeblich.

 

Als klangbestimmend gelten folgende  4 Merkmale:

1.  Die Dreiecks-Form der Instrumenten-Decke  (ein Merkmal der Gusli)

2.  Schräg gestellte Zargen und gewölbter, mehrteiliger Korpus-Boden

3.  Der flache Korpus. (Ein Merkmal der Kasten-Instrumente, Geige u.a.)

4.  Das kleine Schall-Loch: Durchmesser 3/4 Zoll (=1,9 cm) und kleiner.

    

Für Saiteninstrumente    - egal, welcher Form -   gilt allgemein:

Ein flacher Korpus und kleines Schallloch bewirken eine "direkte Ansprache" des Instruments ( = "kurzes Sustain" ),  einen bass-armen Ton und einen präzisen,

sehr eindringlichen Klang.

Das Klangbild Balalaika aber wird hauptsächlich durch ihre Dreiecksform geprägt,

weshalb  die Balalaika  auch  als  dreieckiges  Klangwunder  bezeichnet  wird.

Die Faszination des Balalaika-Klangs

 

Der  Klang der Balalaika  wird  vielfach verglichen  mit dem Klang  einer

GLOCKE  und  mit  dem  Gesang  einer  NACHTIGALL.

Sogar professionelle Violinspieler sind von der Schönheit des Klanges der Balalaika und von ihrem  "dulce melos"  fasziniert.

Der folgende  oft zitierte Ausspruch des Dichters  und  Philosophen  Fjodor M. Dostojewski  gilt  auch  für  den  Klang  der Balalaika:

 

красота  спасёт  мир

 "Die Schönheit rettet die Welt"

(. . .  если мир спасёт красоту . . . )

Wozu Balalaika spielen? Antwort hier! ( Bild-Detail einer bemalten Balalaika )
Langhalsige "Paddel-Balalaika" mit schmal-dreieckigem Korpus (hypothetischer Nachbau)

 DIE  DREIECKSFORM  DER   BALALAIKA

Formverwandtschaften

 

4 traditionelle

Dreiecks-Formen

im Musikinstrumentenbau

 

1)  PADDEL,    SCHAUFEL 

                   ( russ.:  "lopata")

    ("balalaika lopatoobrasnaja")

 

2)  FLÜGEL  (russ.: "krylo")

      ("krylovidnaja balalaika")

       ( Flügel von Vögeln und  Faltern).

 

3)  HELM  (russs.: "schlem")

       ("schlemovidnaya balalaika")

 

4) GLOCKE (russ.:"kolokol")

 

Skizze :

Im  Jahr  1884  schuf  Wassili W. Andrejew  eine  Verbreiterung  des Dreieckskorpus der Balalaika.  Er vergrößerte ihre "Schaufel-Breite"

bzw. "Flügel-Spannweite".  Die vorher schmal-dreieckige Balalaika 

bekam die Form der breit-dreieckigen  russischen  HELM-GUSLI. 

Seitdem gilt das (ungefähre) Richtmaß: 

 

DIE  KORPUSBREITE  DER  BALALAIKA  (IHRE  "FLÜGEL-SPANNWEITE")

ENTSPRICHT  DER  LÄNGE  IHRER  MENSUR

                       

Russisches Psalterium  und  Russische Balalaika

 

"HELM"  und  "FLÜGEL"  sind in der russischen Instrumentenkunde historische Bezeichnungen für  Psalteriums-Formen:

Das russische Psalterium, die GUSLI, auch "russische Zither" genannt, hatte zwei traditionelle Formen, die sehr verbreitet waren:

1. schlemovidnye gusliHelm-Gusli

2. krylovidnye gusli      =  Flügel-Gusli

"Flügelform" bezeichnet entweder eine Einfach- oder eine Doppel-Flügelform. 

Die finnische Kantele hat die Form eines Einfach-Flügels.

Unter dem Form-Aspekt "FLÜGEL" betrachtet, ist die heutige  breit-dreieckige russische  Balalaika  ein "Doppel-Flügel-Instrument"  mit der mittleren E-Saite

als Symmetrie-Achse. ( Doppelflügel  = Delta-Flügel )               

2 historische  legendäre  "Musik-Dreiecke" :

 

Harfe  und  Psalterium

 

Der Dreiecks-Korpus  hat eine lange instrumentengeschichtliche Tradition. 

Er  verweist  auf  zwei  uralte  historische  Dreiecks-Musikinstrumente :

 

1.  D r e i e c k s  -  H a r f e                 ( Winkelharfe, Rahmenharfe )  und  

2.  D r e i e c k s  -  P s a l t e r i u m   ( Zither,  finn. Kantele,  russ. Gusli )

 

Diese zwei Dreiecks-Instrumente werden seit jeher gerühmt wegen ihres 

"dulce melos" (dulce = süß, lieblich, betörend (russ.: сладко),  melos  =  Klang.

Kaк  непередаваемо  сладко

звучит  русская  балалайка !

Mit ihrem dulce melos verzauberten die uralten "Musik-Dreiecke"  HARFE  und  PSALTERIUM  seit jeher  die Ohren  ihrer Zuhörer.  Die  PSALTERIEN Zither,  Gusli,  Kantele  und  ukrainische  Bandura  verzaubern  bis  heute.

Das Lauten-Instrument  BALALAIKA  mit seiner DREIECKSFORM  tut desgleichen !

Гусли. Gusli-Psalterium, Trapezform. Die das Trapez umschreibende Grundform ist das Dreieck.

Die Farbe BLAU (= Farbe des Meeres) verweist darauf, dass der Guslispieler Sadko, so erzählt eine Byline, sein Instrument auch auf dem Meeresgrund spielte und dort mit dem betörenden Klang seiner  Gusli  die Bewohner verzauberte.

Die  Balalaika  hat die Dreiecksform der Gusli bewahrt und vollendet.

Entscheidend für den Klang der Balalaike ist aber nicht nur die Dreiecksform der Instrumentendecke, sondern die Bauform des darunter liegenden Korpus.

Die Balalaika: ein Lauten-Instrument

 

 Schalen-Langhals-Laute

 

In der seit 1914 geltenden Systematik der Musikinstrumente ist die Balalaika

in die Rubrik  "LAUTEN-INSTRUMENT"  eingeordnet.

Lauten-Instrumente bestehen aus Korpus und Hals. Je nach Korpusform und

-konstruktion unterscheidet man  Kasten-Lauten  und  Schalen-Lauten.

Der  Balalaika-Korpus  hat  zwar  eine  sehr  kastige Form, aber wegen der Schrägstellung der zwei seitlichen Bodenplanken  ( Zargen-Späne), wegen des  stark  angewinkelten  Heckbretts  ( russ.: "Sadinka",  engl.: "transom" ) und 
des  gewölbten Bodens
  gehört die Balalaika zur Kategorie  Schalen - Lauten.

FORM - ANALYSE

 

DIE 3 PRÄGENDEN FORMEN  DER BALALAIKA:

 

Die Dreiecks-Form bezieht sich allein auf die Instrumenten-Decke.

Klangentscheidend ist der  G e s a m t - Korpus  der Balalaika.  Man muss also auch den  Längs-  und  Querschnitt des Instruments betrachten.

Es sind  drei geometrische Grundformen, die den Gesamt-Korpus der heutigen russischen Balalaika bestimmen:

 

TRAPEZ-TROG    -   HALBKUGEL    -   DREIECK

Балалайка. Die 3 prägenden Formelemente der heutigen Balalaika: Trapez, Halbkreis, Dreieck.

1. TRAPEZ         ( trapezförmiger TROG :         Längsschnitt der Balalaika)    

2. HALBKUGEL  ( halbkugelförmige  SCHALE :  Querschnitt der Balalaika)

3. DREIECK       ( dreieckiger "GEFÄß-DECKEL" :    Draufsicht  von  oben )

Alle  drei Formen verweisen nicht nur auf  abstrakte Geometrie, sondern sind reale, im  Musikinstrumentenbau  vorkommende Formgestaltungen.

Weitere Informationen zu diesem Thema ganz unten in diesem Kapitel !

Die  Bau-Komponenten  der  Korpus-Schale

 

Nicht  das  Dreieck,  sondern  Gestalt  der  K o r p u s  - S c h a l e   ist  das  entscheidende  Kriterium  für die  Typen-Einordnung der Balalaika.

Die  Korpus-Schale  wurde  in  früherer  Zeit  aus  einem  einzigen  Stück  Holz herausgehauen. Heute wird sie aus mehreren einzelnen Teilen zusammengesetzt. Die Korpus-Schale besteht aus drei Komponenten:

 

1) Zwei  s e i t l i c h e   Zargen  ("Seitenspäne"),

     in schrägem Winkel zur Decke gestellt.

 

2) Ein  h i n t e r e s   Zargen-Brett (Sadinka)

      in schrägem Winkel zur Decke gestellt.

    

3) Korpus-Boden,

      aus mehreren Planken (Spänen) zusammengesetzt  oder  einteilig

Balalaika (5-spänig), mit stark angewinkeltem Heckbrett (russ.: sadinka, engl.: transom)

Typ-bestimmend: 

 

Die Bauart des Korpus-Bodens

 

Es  gibt  3 Arten  der  Ausführung  des  Korpus-Bodens:

1. Der Boden ist zusammengesetzt aus einer  ungeraden Anzahl  von Planken

2. Der Boden ist zusammengesetzt aus einer  geraden Anzahl  von Planken 

3. Der Boden besteht aus  1 einzigen  Brett .

In allen 3 Ausführungen ist der Boden  in seiner Gesamtheit  stets  gewölbt.

 

DIE  3  BAUART-TYPEN  DER  BALALAIKA  HEUTE

 

1)  Bauart "Passierbski"   =    2 Zargen   +   3  oder  5  Planken

     "Flachkiel"- Balalaika  mit   unterer  mittiger  Planke.

      Der Geigenbauer Passierbski baute Balalaiken mit 7 Spänen.

      (5 Bodenspäne + 2 Zargenspäne)

 

2)  Bauart  "Nalimow"       =    2 Zargen   +   2  oder  4  Planken

      "Spitz-Kiel"- Balalaika  mit  unterer  mittiger  Naht.

      Der Kunsttischler Nalimow baute Balalaiken mit 6 Spänen.

      (4 Bodenspäne + 2 Zargenspäne)

 

3)  Bauart "Wölbbrett-Boden"

      2 Zargen  +  1 gewölbtes  einteiliges  Bodenbrett.

 

Der Bauart-Typ der Balalaika ist im Blick auf das Hinterbrett  (Sadinka)

leicht zu erkennen.

Balalaika der Bauart 1 ("Passierbski") mit Mittelspan-Boden. ("Flachkiel-Balalaika")
Balalaika der Bauart 2 "Nalimow" mit Mittelnaht-Boden, ("Spitzkiel-Balalaika")
Balalaika der Bauart 3 (Wölbbrett-Boden) aus der "Balalaiker"-Manufaktur in Uljanowsk 2020

 

MODERNE  SONDER-BAUART:

BALALAIKEN  MIT  KORPUS-SCHALE  AUS  KUNSTSTOFF

Sonder-Bauart: Balalaika mit Korpusschale aus Kunststoff (russ.: Plastmassa). Typ: "Nalimow"- Imitat

Seitenzargen und Korpusboden sind als einteilige "Schürze" aus  Plastikmasse

gegossen. Die Form imitiert entweder die Passierbski- oder die Nalimow-Bauart.   Decke und Sadinka dieser "Plastik-Balalaiken" bestehen aber aus Holz.

Besonders  "Souvenir-Balalaiken" werden auf diese Weise hergestellt.

Es gibt aber auch gut klingende spielbare Balalaiken, die diese Bauart aufweisen.

Sie haben eine hochwertige Fichtenholz-Decke und präzise gesetzte Bünde.

Es sei angemerkt, dass es auch Gitarren ("Martin") und Ukulelen ("Fluke") mit Plastik-Korpus gibt, die gut klingen und sogar Kult-Status besitzen.

Ein Plastik-Korpus begegnet sowohl bei Prim- als auch bei Kontrabass-Balalaiken.

Die  Vervollkommnung   der   Balalaika

in Form  und Klang:

 

Von Wassili Andrejew 1884

zu

Mark Kupfer 1993

Wassili Andrejew gilt als der "Vater der modernen Balalaika". 1884 schuf er, ausgehend von einem schmal-dreieckigen traditionellen Holzbalalaika-Typ, die breit-dreieckige Balalaikaform, die wir heute kennen.  Seither wurde dieser Typ immer mehr verbessert, um den Herausforderungen des virtuosen Spiels zu

entsprechen.

Als "Non plus ultra" heutiger Balalaiken gelten die Balalaiken des russischen Konstrukteurs  Mark Aleksandrovich Kupfer.  Wegen ihres unvergleichlichen Klangs  sind  sie  für viele Balalaikaspieler  und auch  für Balalaika-Bauer das

"Maß aller Dinge".

Die Klangreinheit der "Kupfer-Balalaiken" reicht über das gesamte Diapason.

 

Mark Kupfer (geb. 1920) baute in den Jahren von 1979 bis zu seinem Tod 1993 insgesamt  16  Balalaiken.  Für viele Balalaika-Bauer sind sie absolute Norm. Kupfer-Balalaiken gehören zu den teuersten Konzert-Balalaiken der Welt.

Ihr Anfangs-Verkaufswert von 5000 Euro ist heute  weit übertroffen.

 

Helikopter  und  Balalaika

Mark Aleksandrovich Kupfer war in der damaligen Sowjetunion ein bekannter Helikopter-Konstrukteur. Auch war er ein erfolgreicher Sportler, Musiker, Sänger,

Uhrmacher, Pilotenausbilder und Musikinstrumentenbauer.

Seine Erfahrungen aus dem Helikopterbau übertrug er auf die Konstruktion

seiner Balalaiken.  Vier Merkmale  sind besonders hervorzuheben:

1. Für die Bünde verwendete er Edelstahl aus dem Flugzeugbau.

2. Für die unter der Decke verleimten Holzleisten  entwarf er ein besonderes geometrisches Schema, basierend auf den Erfahrungen der Flugzeug-Akustik.

3. Zum Verbinden der Holzteile verwendete er  Flugzeugbau-Spezialkleber

statt des sonst üblichen Holzleims.

4. Das Schlagbrett  gestaltete er rein funktional,  und nicht - wie viele andere Balalaikabauer - nach ästhetischen Gesichtspunkten. Sie bestehen nicht aus Holz, sondern aus einem sehr schwingungsarmen Kunststoff-Material. Damit sie ein effizienter Deckenschutz sind, gestaltete er die Schlagbretter sehr groß.

Ihre Ausdehnung geht oft bis zur Höhe des Decken-Stegs und sogar noch weiter

hinunter. In neuerer Zeit (seit ca. 2020) ist zu beobachten, dass viele Balalaiken dieses Vorbild "abkupfern" und ebenfalls großflächige Schlagbretter aufweisen.

 

Kupfer-Balalaiken besitzen 7 Späne  (2 Zargen und  5 Bodenplanken).

Kupfer erkannte, dass Balalaiken vom Typ "Passierbski" (= Balalaiken mit einem

Mittelspan-Korpusboden) wegen ihrer kastiger flachen Bauart eine bessere Klangeigenschaft haben als die spitzkieligen 6-spänigen "Nalimow-Balalaiken". Obwohl zu seiner Zeit (und auch noch bis heute) Nalimow-Balalaiken sehr in Mode waren und häufig gebaut wurden, entschied sich Kupfer für die flachkielige "Passierbski-Bauart". Zudem verbreiterte er den Korpus.

Es sei daran erinnert, dass Passierbski Geigenbaumeister war. Er wusste, welchen Klangreichtum kastig-flachbödige  Musikinstrumente hervorbringen können.

Von  der  persischen  Tanbur 

zur  russischen  Balalaika

Konzert-Balalaika, 24 Bünde. A-Saite: 0,25 mm Stahl, E-Saiten: 0,32 mm Stahl. Mensur: 17"

Das  Zupf-Instrument  "Balalaika" hat in den letzten Jahrhunderten viele Wandlungen erfahren. Früher hatte sie ein anderes Aussehen als heute.

In vielen  schriftlichen Quellen des 17. und 18. Jhd.  wird sie beschrieben als ein

ca. 1 Meter langes Instrument  mit einem sehr langem Hals und einem sehr kleinen ovalen (!) Korpus. 

In Übereinstimmung mit diesen Berichten stehen auch bildhafte Darstellungen der Kunst, z.B. des französischen  Malers  Jean Baptiste Leprince  ( 1734 - 1781 ),  der  lange  in  Russland  gelebt  und in St. Peterburg gearbeitet hat.

Sein  Bild  "Der Balalaikaspieler"  ( und  ebenso  auch  andere  seiner Bilder )

zeigen  ein genau solches Instrument. Es entspricht in seiner Form der alten persischen Tanbur.    In der nachfolgenden Abbildung ist dieses  Instrument als

"Historische Balalaika Typ 1"  bezeichnet.

Die historischen Balalaiken Typ 1 und Typ 2  sind "Holz-Balalaiken".

Die ebenfalls bei den Ostslawen bezeugten "Kalebassen-Balalaiken" sind dem Typ 1 zugehörig.  Sehr wahrscheinlich haben  solche  aus  Kürbissen  gefertigten Instrumente diesen Typ sogar begründet.

Historische Balalaika-Typen

Zu den ältesten Instrumenten des Lauten-Typs  gehört die persische Tanbur.

Mit ihr ist die Balalaika entwicklungsgeshichtlich verwandt. Die Balalaika ist ein  Tanbur-Instrument.

Die Verwandtschaft historischer russischer Balalaiken mit der persischen Tanbur zeigt sich sehr oft darin, dass diese statt eines einzelnen runden Schallochs eine Vielzahl von kleinen Schallloch-Bohrungen aufweisen. Diese bilden ein Dekor-Feld.

Bei der heutigen persischen Tanbur ist dies immer noch die Regel.

Bei der heutigen russischen Balalaika  hat sich  ein einzelnes rundes Schallloch durchgesetzt, meist mit einem Durchmesser von  3/4 Zoll  ( = 1,9 cm )

   Foto unten: die Balalaika heute

Die langhalsige historische  Balalaika des Typs 1 verweist auf die traditionelle persische TANBUR.

Durch Handelsbeziehungen  über das Kaspische Meer waren  Russland

und Persien miteinander verbunden.

 

Das Kaspische Meer war die nördliche Grenze Persiens.

Südlich des Kaspischen Meeres trafen die von der Ostsee kommenden Handels-

wege auf die ost-westlich verlaufende  Seidenstrasse, deren Haupt- und Nebenrouten China, Indien, Persien, Arabien, Byzanz, Ägypten u. a. Gebiete miteinander verbanden.

Eine bedeutende Nebenroute war die "Kaukasische Seidenstrasse".

Entlang der ägyptisch-indischen Seidenstrasse erstreckte sich seit 331 v. Chr.

das  griechisch-persische Weltreich Alexanders des Großen.

 

DAS  GEOGRAFISCHE  "GEBURTS-DREIECK"

DER  BALALAIKA :

 

Im  ostslavischen Dreieck  zwischen  Ostsee,   Schwarzem Meer  und

Kaspischem Meer  trafen  von Norden und von Süden her  zwei Typen von Saiteninstrumenten  aufeinander, die die eigene ostslawische  Instrumenten-Tradition beeinflussten, prägten und zahlreiche Balalaika-Bauformen hervorbrachten.

Das Dreieck ist blau markiert, denn die Hauptwege dieser Nord-Süd-Handelsroute waren Flüsse.

In das  Schwarze Meer  münden:  Dnjepr und Dnjestr

In das  Asowsche Meer  mündet  der  Don.

In das  Kaspische Meer  münden:  Wolga, Ural, Kura, Terek

Die Transportmittel waren Schiffe. Boote wurden oft von einem Fluss zum

anderen übers Land auf Rollen gezogen.

Schon vor der Gründung des Altrussischen Staates 882 war das ostslavische Siedlungsgebiet über  Handelswege, die von der  Ostsee  ( Baltisches Meer )

nach Süden, zum Schwarzen Meer, Asowschen Meer und  Kaspischen Meer führten, mit  der  Seidenstraße  verbunden.

Über die Verbindungswege von China bis Ägypten und von Persien bis zur Ostsaee geschah ein  Waren- und Kulturaustausch  größten Ausmaßes.

Handelsgüter waren vorrangig z.B. Felle, Bernstein, Seide und Gewürze, weniger wohl Musikinstrumente. Erfolgreiche Handelsabschlüsse wurden immer auch gefeiert. Auf solchen gesellschaftlichen Begegnungen wurde gesungen und

getanzt: und dies immer unter  Begleitung von Musikinstrumenten.

Dies führte zu Begegnung unterschiedlicher Kulturen sowohl aus dem Süden als auch aus dem Norden.

 

Nördlicher Ausgangspunkt:  Ostsee-Raum

Die  älteste Handelsniederlassung  im Norden  des ostslavischen Raumes  war 

Staraja Ladoga, gegründet ca. 750  von skandinavischen Warägern.

Im Ostseeraum ( Finnland,  Lettland,  Litauen,  Estland )  war  eine  halslose Kastenzither mit flachem schmalem  dreieckigen Korpus  weit verbreitet:

das Psalterium (Zither, finnische Kantele, Kannel, Kokle). 

Ein Instrument dieses Typs wurde im 12. Jahrhundert das Nationalinstrument Russlands: die Gusli.

 

Südlicher Ausgangspunkt: Persische Seidenstrasse

Vom persischen Teil der Seidenstrasse her gelangte ein Saiteninstrument

anderen Typs in das ostslavische Gebiet: die  Tanbur. 

Die Tanbur war ein  Zupfinstrument mit langem Hals. Sie besaß 2 oder 3 Saiten. Ihr rundbauchiger Korpus war sehr klein. Er besaß eine halbkuglige

oder ovale Form.

Auf ihrer Wanderung nach Norden über das Kaspische Meer und den Kaukasus

bekam der Korpus der Tanbur im Lauf der Jahrhunderte verschiedene Ausprägungen.  Es gab folgende Formvarianten:

 

Halbkugel, "halbrunde Schöpfkelle", ovaler Löffel, dreieckige Schaufel, "schaufelförmiger Brotschieber", " abgeschnittenes Ei", Bootspaddel,

und Mischformen zwischen diesen.

 

Die große Formenvielfalt der Tanbur, die sich im  Kaukasus  herausbildete,

ist auch heute noch existent  ("Berg-Balalaiken").

Im ostslavischen Raum nördlich des Kaukasus, das später zum  russischen Staatsgebiet werden sollte, gab es zwar auch die halbkugelförmige Kürbis-Balalaika, aber spätestens seit dem 18. Jahrhundert hat sich die 

schmal-dreieckige Bootspaddel-Form mit flachem Korpus  durchgesetzt.

Die halbkuglige persische Tanbur ging eine Synthese ein  mit dem schmal-dreieckigen Psalterium (Gusli, Kantele, Kokle) des Ostseegebiets, dessen

Korpus kastig-flach war und dessen Klang vom Musik-Empfinden der Ostslawen

als eindringlich und schön empfunden wurde.

Somit vereint die  russische Balalaika die Merkmale sowohl der Kantele (Gusli)

des Nordens als auch der Tanbur des Südens.

 

Der anfangs schmal-dreieckige Korpus der frühen Balalaika wurde immer mehr verbreitert und vergrößert, zugleich wurde der Hals verkürzt.

Seit 1895 ist diese Modifikation der  persischen Tanbur der "Einheits-Typ" der russischen Balalaika.

 

Persische Tanbur, 86 cm lag, mit kleinem rund-ovalem Korpus und verschiebbaren Bünden
Langhalsige "Paddel-Balalaika", 2-saitig, mit diatonischer Bundierung (hypothetischer Nachbau)

Die  Balalaika  geht  zurück  auf  die  im  alten  Persien

(6.- 4.  Jhd. v. Chr.) verbreitete  Langhals-Laute "Tanbur"

Die TANBUR, ein 2- oder 3-saitiges Zupf-Instrument mit langem Hals und  daran angesetztem kleinem Resonanzkörper war im alten Persien sehr verbreitet.  Der Resonanzkörper war  oval  bis  halbrund.  Er konnte aber

auch andere Formen haben,  z.B. paddelförmig   oder  "abgesägtes Ei".

Von Persien aus hat die Tanbur schon sehr früh über das Kaspische Meer und den Kaukasus seinen Weg nach Russland  und  Asien   gefunden.

 

Aus  einer  schmal-dreieckigen  Paddelform  der  TANBUR  entwickelte  sich  die heutige  breit-dreieckige  russische  BALALAIKA.

Historisch gesehen ist die Balalaika eine russische Sonderform der Tanbur.

In Russland  wurde  die  Tanbur  -  egal  ob mit ovalem,  mit rundem,  mit paddelförmigem oder dreieckigem Korpus,  "BALALAIKA"  genannt.

Wann genau diese Umbenennung geschah, ist bis heute unklar. Die erste urkundliche Erwähnung des Namens "Balalaika" ist im 17. Jhd. bezeugt.

 

Ein  weit  verbreiteter  Irrtum

ist  es,  von  der  Nennung  des  Namens "Balalaika"  in  alten  Quellen 

auf die heute verbreitete  Dreiecksform  des  Instruments  zu  schließen.  Mit "Balalaika" wurden  auch Tanburen  mit  z. B.  rundem Korpus bezeichnet !

Das Wort "Balalaika" ist ein volkskundlicher Trivialname, wohl entlehnt aus dem Tatarischen.  Das Wort selber enthält weder einen Hinweis auf

die Herkunft des Instruments  noch auf seine Form (rund, dreieckig, ...).

Vom  schmalen  Paddel  zum  breiten  Dreieck

Kurzhalsige schmale "Paddel-Balalaika", "Schmal-Flügel-Balalaika". (Hypothetischer Nachbau)

Der  "Dreiecks-Klang"

 

Die  meisten  frühen  Balalaiken  (Tanburen)  besaßen  einen  ovalen,

einen schmal-paddelförmigen,  oder -  wie die Kalebassen-Balalaika  -

einen  runden  Korpus.  Je nach Korpusform war der Klang ein anderer.

 

Häufig wurden Balalaiken zur  Tanzbegleitung  benutzt oder als Straßeninstrument zum Vortragen derber Texte der fahrenden Spielleute,

der Skomorochen (griechisch "skomma"= Spott, Scherz)

Bevorzugte Spielart war das  Akkord-Spiel, bei dem der Finger alle

drei Saiten zugleich anschlug.

Unterschiede in der Klangfarbe der verschiedenen Balalaika-Formen fielen bei dieser Art des Instrumentengebrauchs kaum ins  Gewicht.  Entscheidend  waren Rhythmus und Lautstärke.

 

Anders  war  es   beim  melodiebetonten  Solo-Spiel,  bei  dem  der Vortragende eine Art Übersetzungsarbeit leistete:

er setzte die Weite, Nachdenklichkeit und Tiefgründigkeit der Texte russischer Volkslieder in die Sprache der Musik um.  

 

Russische Volkslieder sind Poesie!

Die  Texte russischer Volkslieder besitzen eine gewaltige psychologische Tiefe und  Aussagekraft und sind oft von hohem literarischen Anspruch.

Hauptthema ist die Verletzlichkeit der menschlichen  Existenz.  Wie  ein  roter  Faden  ist  diese  Thematik hineingewoben in die lyrischen Texte russischer Lieder.

Um diese Thematik in die Sprache der Musik umzusetzen, bedurfte es eines Musikinstruments, das nicht nur irgendeine Hintergrund- und

Begleitmusik  produzieren konnte, sondern das fähig war, poetisch zu "sprechen".

Balalaiken  mit  dreieckigem  Korpus  konnten  dies! 

Sie besaßen die unerklärliche Eigenschaft, ein Klangspektrum zu entfalten, das voller  Eindringlichkeit,  Tiefe,  Melancholie  und  Transzendenz  war. 

Der Klang der  Dreiecks-Balalaika  verzauberte das "russische Ohr", denn

die Dreiecks-Balalaika  besaß das gleiche "dulce  melos" wie das geliebte alte  russische  Volks-Instrument  Gusli. 

Balalaika von 1884, aus der Wassili W. Andrejew die heutige Balalaika entwickelte. Nachbau von 2020 in den Werkstätten von "Balalaiker", Uljanowsk an der Wolga

Die Herstellung einer solchen dreieckigen Balalaika verlangte ein großes handwerkliches Können, denn ihr Korpus  war aus  mehreren verleimten  Planken ("Spänen") gearbeitet.  (Anfangs waren es  3  oder  5  Späne).

Wer ein solches Geschick nicht hatte, musste das Instrument auf dem Warenmarkt kaufen.

Der  Preis  einer aus  Holzplanken gefertigten  Balalaika, auch  wenn  sie  einfach gebaut war, war  sehr hoch.  Er entsprach dem Gegenwert einer Kuh  bzw. eines Pfluges.

Die Balalaika in der Abbildung oben (von 1884) besitzt einen aus 5 Spänen bestehenden Korpus. Das Dreieck ist noch relativ klein und schmal.

Je  breiter  der  Dreiecks - Korpus  der  Balalaika  gestaltet  wurde, umso  mehr  trat  ihr  "dulce melos"- Klang-Charakter  hervor.  So  ist  es  kein  Wunder,  dass  die  breit-dreieckige  Balalaika  zum  heutigen  russischen Nationalinstrument wurde:

Pусская балалайка -

душа народа

 

Die Entwicklung  zur breiten Dreiecks-Form  der Balalaika kann erklärt werden als Anlehnung  an die  dreieckige Form  der  Gusli  ("russisches Psalterium"), das seit dem 12. Jhd. lange Zeit das russische Nationalinstrument war.  Der russische

Komponist  Nikolai Rimsky-Korsakov  (1844 - 1908) nennt als  d a s  russische Nationalinstrument  nicht  die  Balalaika, sondern  die  G u s l i.

Die russische Gusli ist eine Kasten-Zither  (Einordnung nach Hornbostel/Sachs), ebenso wie  die  finnische  Kantele  und  die  heutige ukrainische Bandura.

Kastenzithern (= Psalterien)  haben  ihre  Entsprechung  in  einer  noch  älteren Instrumenten-Form: der  Dreiecks-Harfe  (Trigonium).

 

Kasten-Trigonium, "Russisches Psalterium", "Russische Zither" ( Gusli ), (sog. "Schweinskopf")

Physikalisch bedingt ist das  Saitenfeld  von  Harfen  und  Kastenzithern 

(ebenso wie bei  Panflöten und Orgelpfeifen  immer  dreieckig.

Der Korpus der Kastenzithern (Psalterien) kann von den Instrumentenbauern frei gestaltet werden. Oft ist er jrdoch dem dreieckigem Saitenfeld  angeglichen und weist eine Flügel-, Doppelflügel- oder Helmform auf.

Form-analytisch ( nicht  historisch ! ) und unter dem Aspekt eines funktionalen Klangkörpers betrachtet kann man die  Dreiecks-Balalaika  beschreiben  als ein  Kasten-Trigonium  ( DREIECKS-PSALTERIUM) mit  einem  an  den  Korpus  angesetztem  Hals:

Ein Hybrid-Instrument  also, das  - ebenso wie die  ukrainische Bandura - Zither und Laute in sich vereinigt. Beide besitzen einen Hals.

Der Unterschied zwischen beiden:

 

Die  Bandura  hat die Form einer Laute, ist aber als eindeutige Zither.

Die  Balalaika  hat die Korpus-Form eines Dreieck-Psalterium ( Zither), ist aber

eindeutig eine Laute.

 

SYNTHESE  DER  FORMEN:

 

Tanbur und Gusli addieren sich zur Balalaika

Persische Langhals-Tanbur - - Dreickige Kasten-Zither (russische Gusli) - - Balalaika heute

                                            Skizze  oben:

Rot:       TANBUR   ( Hier in  2  Varianten:  ovale  Form  und  Paddel-Form )

Blau:     PSALTERIUM  ( = RUSSISCHE GUSLI ) 

Violett:  BALALAIKA  (Typ: "Andrejew-Balalaika") = Tanbur + Psalterium.

 

KLEINE  UND  GROSSE  BALALAIKEN:

Die heutige Familie der Orchester-Balalaiken umfasst folgende 9 Instrumente :

 

 1.   Pikkolo - Balalaika   ................   ( ca.  50 cm   lang )

 2.   Prim - Balalaika   ....................   ( ca.  67 cm   lang )

 3.   Sekund - Balalaika   ................   ( ca.  76 cm   lang )

 4.   Alt - Balalaika  ........................   ( ca.  83 cm   lang )

 5.   Bass - Balalaika  .....................   ( ca.  1,10 m  lang )

 6.   1/4 - Kontrabass-Balalaika  ....   ( ca.  1,40 m  lang )

 7.   2/4 - Kontrabass-Balalaika  ....   ( ca.  1,50 m  lang )

 8.   3/4 - Kontrabass-Balalaika  ....   ( ca.  1,60 m  lang )

 9.   4/4 - Kontrabass-Balalaika  ....   ( ca.  1,80 m  lang ) 

 

* Die 4 Kontrabass-Balalaiken besitzen alle die gleiche Saitenstimmung.

   Die 4/4 KB-Balalaika  wird auch "Sub-Kontrabass-Balalaika" genannt.

   Oft wird dieser Name auch auf die 3/4 KB-Balalaika angewandt. 

Das kleinste Instrument der Familie ist die Pikkolo-Balalaika. Sie wird immer noch zur Balalaika-Familie hinzugerechnet, obwohl sie heute nur noch selten

gebaut und gespielt wird.

Anders verhält es sich mit der  Pikkolo-Domra (домра пикколо).

Sie ist das kleinste Instrument in der Familie der  ru n d e n  Balalaiken.

Sie ist bis heute ein fester Bestandteil der "Domra-Familie" und wird sehr

häufig im Orchester eingesetzt.

* Die Diskant-Balalaika  wird seit ca. 1920 nicht mehr gebaut. Sie "lebt" aber heute weiter in den ca. 40 cm hohen Balalaiken ("Kinder-Balalaiken"), die in der Kategorie "Spielbare Instrumente"  in russischen Souvenir-Läden angeboten werden.  ( Länge: 42 cm,  Höhe: 8 cm,  6 Späne- Korpus,   Mensur: 28,5 cm ).

      

DIE  BALALAIKA - FAMILIE

 

DIE  ERSTE  BALALAIKA-FAMILIE  1897:  

6 INSTRUMENTE

Der russische Musiker Wassili W. Andrejew verbesserte die alte  traditionelle Volks-Balalaika ("Samodelka-Balalaika", "Dorf-Balalaika", "Bauern-Balalaika").

Er verbreiterte ihren dreieckigen Korpus und schuf eine chromatische Bundierung.

 

Um die Balalaika konzertfähig zu machen, entwarf er verschiedene Baugrößen. 

Er schuf nach dem Vorbild  der  Violin-Familie eine  "Balalaika-Familie"  .

Die traditionelle Volks-Balalaika bekam die Bezeichnung  "Prim-Balalaika".

Ihr fügte er 2 kleinere und 3 größere Instrumente der gleichen Bauart hinzu.

Diese 5 hinzugefügten Balalaiken sind nicht russische Volksinstrumente, sondern sind "akademische Schöpfungen". Es sind intelligente Weiterentwicklungen der traditionellen russischen Volksbalalaika, geschaffen für den Konzertgebrauch.

Die erste "Balalaika-Familie" von 1897  umfasste  diese 6 Instrumente:

 

дискант,  пикколо,   прима,   альт,   бас,    контрабас.

(Diskant,  Pikkolo,    Prima,     Alt,     Bass,  Kontrabass)

 

In den Folgejahren erfuhr die Balalaika-Familie einige Veränderungen:

1. Die Diskant-Balalaika wurde aus der Instrumentenfamilie entfernt

2. Zwischen Prim-und Alt-Balalaika wurde die Sekund-Balalaika eingefügt

3. Die Kontrabass-Balalaika wurde, bei gleichbleibender Stimmung, um drei Baugrößen  erweitert. Es gibt also heute 4 Varianten Kontrabass-Balalaiken. 

 

DIE BALALAIKA-FAMILIE 1906:  

8 INSTRUMENTE

Im Jahr 1906 kamen 2 weitere Instrumentengrößen hinzu:

Sekund-Balalaika  und  Subkontrabass-Balalaika.

Die Familie der Konzert-Balalaika  bestand  1906  aus  8 Instrumenten :

Subkontrabass-Balalaika,  Kontrabass-Balalaika,  Bass-Balalaika,  Alt-Balalaika, Sekund-Balalaika,  PRIM-BALALAIKA,  Piccolo-Balalaika,  Diskant-Balalaika.

 

DIE BALALAIKA-FAMILIE  1916:  

7 INSTRUMENTE

Durch den Wegfall der Diskant-Balalaika Jahr wurden ab  ca. 1916  zur Balalaika-Familie nur noch 7 Instrumente hinzugerechnet:

Pikkolo - Prim - Sekund - Alt -  Bass - Kontrabass - Subkontrabass

 

DIE BALALAIKA-FAMILIE HEUTE: 

9 INSTRUMENTE

Auf die Angabe der I n s t r u m e n t e n - B r e i t e  wurde in der obigen Tabelle verzichtet.  Es gilt zwar das Norm-Maß:  Korpusbreite = Mensur, aber viele Instrumentenbauer bestimmen die Breite oft  frei und intuitiv.

 

 

INFORMATIONEN  FÜR DEN  PRAKTIKER:

1. Die Stimmung der Balalaika

 

2. Die Stärke der Saiten

 

3. Die Höhe des Saitenstegs

 

4. Die Position des Saitenstegs

Die Saitenstimmung der Balalaika

 

Die  hohe  Saite  der  Prim-Balalaika  wird  auf  den  Kammerton 

a1  ( A4 )  =  440 Hz  gestimmt.    

Die beiden anderen Saiten  werden 1 Quarte tiefer gestimmt: auf

e1  ( E4 )  =  330 Hz  (exakt: 329,6 Hz)

 

 

Balalaika-Saiten:  Stärke und Material

Einzelsaiten  oder  Saitensätze  für Balalaiken  werden von  diversen

Saitenherstellern angeboten.  Die A-Saite besteht  stets  aus  Stahl bzw.

aus einer Stahl-Legierung.

E-Saiten werden sowohl aus Stahl als auch aus Nylon hergestellt.

 

Die Saitenstärke der Prim-Balalaika- Stahlsaiten::
A-Saite:    0,22 mm  bis   0,30 mm  Stahl   ( oder  Stahl-Legierung )

E-Saiten:  0,25 mm  bis   0,40 mm  Stahl   ( oder  Stahl-Legierung ).

 

 

Klavierdraht

Die im Handel erhältlichen speziellen Balalaika-Saiten sind oft recht teuer.

 

Wer seine Instrumenten-Saiten oft wechselt und deshalb preiswertere, 

aber dennoch qualitätsmäßig sehr gute Saiten haben will, greift zur

Klaviersaiten-Meterware  ("Klavierdraht", "Piano-Draht").

Die End-Schlaufe der Saite ist sehr leicht selber herzustellen.

 

Für Prim - Balalaiken mit Mensuren von 43 - 44 cm  ist  folgende  

Pianodraht - Besaitung zu empfehlen, die einen hervorragenden

Klang hat und gut spielbar ist:

 

A - Saite:    0,25 mm Stahl   ( Stahl, blank, "Klavierdraht" )

E - Saiten:  0,32 mm Stahl   ( Stahl, blank, "Klavierdraht" )

                                                o d e r :

E - Saiten:  1,00 mm Nylon    ( = Gitarre, Nylon-Saite " G" )

                        Nylon kann auch ersetzt werden durch 0,9 mm Carbon.

 

Klavierdraht ist im Online - Handel  erhältlich (Stand 2021):

125 g Klavierdraht  0,25 mm  =  325 Meter  =  15,95 Euro

125 g Klavierdraht  0,32 mm  =  225 Meter  =  15,95 Euro

 

Eine Diskussion ohne Ende: 

E-Saiten  aus Stahl  oder  aus Nylon?

E-Saiten  aus  Stahl  korrespondieren  naturgemäß wegen  des  gleichen 

Materials wie die A-Saiten klanglich besser miteinander als eine gemischte

Besaitung. Das Gesamt-Klangbild ist homogener.  Ausserdem  erinnert 

es an vertrauten Klang  des  alten russischen Psalteriums, der  GUSLI .

 

Bei der Balalaika wird oft gerühmt ihr "silberner Klang".  

 Konsequenterweise muss also gelten: 

 "серебряный звук на серебряных струнах"

("Silberner Klang auf silbernen Saiten")

 

Viele Balalaika-Virtuosen aber wollen gerade dieses "allzu Silbrige" des Klangs vermeiden.  Sie entscheiden sich  für  E-Saiten  aus  Nylon , um  den  tieferen  Tönen  der  Balalaika  die  "samtige" Klangfarbe   der  Naturdarm-Saite  einer  VIOLINE  zu verleihen.

Wer hat Recht?   Es gilt, wie so oft :  "Suum cuique!"

 

Saitenlage (Die Höhe der Saiten über den Bünden)

Die Saitenlage, also die Höhe des Saitenfeldes über den Bünden, wird bestimmt durch die Höhe des Steges.

Ist der Steg zu hoch, dann sind die Saiten schwer zu greifen und der

Druck auf die Fingerkuppen ist sehr stark.  Ist der Steg zu niedrig, dann klirren und scheppern die Saiten auf den Bünden.

Die Höhe des Saitenfeldes wird an der Stelle der größten Amplitude,

also über dem Oktav-Bund  -  dem 12. Bund  -  gemessen.

Gemessen wird der Abstand zwischen B u n d - Oberkante und Saite.

 

Für Saiten aus Stahl gilt folgender Wert:

Saitenlage  über  dem  12. Bund  =  2 mm

 

Voraussetzung ist ein gerader Hals und nicht abgenutzte Bünde,

ansonsten muss die Saitenlage höher sein.

Ist der Steg zu hoch, wird er mit  Sandpapier abgeschliffen. Ist der Steg

zu niedrig, kann er erhöht werden,  indem oben,  auf dem  Steg-Kamm,

ein Metall-Bund eingelasssen wird.

 

Die Position des Saitensteges

Faustregel:

Man mißt die Entfernung  zwischen  Obersattel ( bzw. Null-Bund )

und dem 12. Bund (Oktave). Dieser Wert wird verdoppelt, so dass  

man die Mensur erhält.  Dorthin wird der Steg gestellt.  Gemessen

wird an der Steg-Oberkante.

Da beim  Niederdrücken einer Saite  wegen der Schwellenwirkung

des Metallbundes die Saite eine zusätzliche Spannung erhält, klingt sie höher  als der dem Bund  zugeordnete Ton.  Diese  Abweichung

wird ausgeglichen, indem zur  Mensurposition des Stegs  ca. 1 mm Länge  hinzugegeben wird.  Weitere Korrekturen  der  Stegposition werden nach Gehör vorgenommenoder mit Hilfe eines Stimmgeräts.

Damit beim Solospiel auf der A-Saite der Spielfinger mehr Bewegungsfreiheit erhält, wird di mittlere E -Saite etwas von der A-Saite weggerückt.

Das Verhältnis E - E - A ist meist 2 : 3. Einige Balalaika-Virtuosen wählen sogar das  Verhältnis  2 : 4 ( = 1 : 2) !

Die  Einschnitte auf dem Steg  sollen halbrund eingefeilt werden und dem Durchmesser der Saiten angepasst sein.  Mit  einer  sehr  weichen  Bleistift-Mine

werden die drei Saiten-Einkerbungen eingerieben und somit mit  gleitfähigem Graphit-Pulver  gefüllt. Dies tun auch Geigenspieler.

 

Die "Saitenstraße":

 

Vom  Heckbrett  bis  zum  Wirbelbrett

 

Die folgenden beide Skizzen zeigen die Saitenführung einer Prim-Balalaika und einer häufig verwendeten  3/4 - Kontrabass-Balalaika.

Der  Weg  führt  vom  Saitenhalter  am  Heckbrett ( Sadinka ) bis  zum Wirbelbrett.

( Die Längenangaben  beziehen sich  auf  die Strecke  der  l ä n g s t e n  Saite.)

 

TON-UMFANG  UND ANZAHL  DER BÜNDE

der chromatischen Prim-Balalaika

 

Die  Anzahl  der  Bünde  kann  vom  Instrumentenbauer  frei  bestimmt  werden.

Hier die vier gebräuchlichsten Ausführungen:

 

BALALAIKA  MIT  16 BÜNDEN

Tonumfang:  e1  bis  cis3  (=  E4  bis  C#6)

16 Bünde = 1 Oktave + 1 große Sexte

Bei der einfachen chromatischen Volks-Balalaika sind die Bünde nur auf dem

ca. 26 cm langen Instrumenten-Hals  angebracht.

16 Bünde  haben  hier  ihren  Platz.  Der höchste  spielbare  Ton  ist  cis3 .

Er liegt  9 Halbtonschritte ( = 1 große Sexte)  über dem  e2.

Um einen Tonumfang von 2 Oktaven ( e1 bis e3 ) zu erreichen, fehlen dieser

"Volks-Balalaika" 3 Halbtöne.

 

BALALAIKA  MIT  19 BÜNDEN

Tonumfang:  e1  bis  e3  (=  E4  bis  E6)

19 Bünde =  2 Oktaven

Damit  ein  Tonumfang von 2 Oktaven  erreicht  werden  kann, müssen der

einfachen 16-bündigen Volks-Balalaika 3 Bünde hinzugefügt werden. Zu diesem Zweck wird das Griffbrett über den Instrumentenhals hinaus auf den Korpus verlängert. Bei einigen Instrumenten werden die 3 zusätzlichen Bünde auch direkt in die Instrumentendecke eingelassen.

 

BALALAIKA  MIT  24 BÜNDEN

Tonumfang:   e1  bis  a3  (=  E4  bis  A6)

24 BÜNDE  =  2 Oktaven + 1 Quarte

Die meisten Konzert-Balalaiken sind mit 24 Bünden ausgestattet.

Auf der A-Saite einer solchen Balalaika können  2 Oktaven  gespielt werden:

2 Oktaven  =  24 Bünde. Der Diapason der A-Seite geht also a1 bis a3.

Zusammen mit der tieferen Quarte auf der E-Saite ergibt sich ein Tonumfang von

e1 bis a3.

 

BALALAIKA  MIT  31 BÜNDEN

Tonumfang:   e1  bis  e4  (=  E4  bis  E7)

31 BÜNDE  =  3 Oktaven

Eine "Profi-Konzert-Balalaika"  hat  den  "Ehrgeiz",  3 Oktaven  zu  umfassen 

(e1  -  e4). Im Vergleich zu einer 24-bündigen Konzert-Balalaika ist ihr Tonumfang um 1 Quinte  (= 7 Halbtonschritte) erweitert.

Es müssen also 7 Bünde hinzugefügt werden:  24 + 7   =  31.

Dazu wird das Griffbrett noch weiter auf den Korpus verlängert, so dass es bis dicht an das Schall-Loch heranreicht.

ZWEI  HISTORISCHE  BAUWEISEN DER BALALAIKA :

 

BALALAIKEN  AUS  KÜRBIS  UND  HOLZ

Eine  runde  Balalaika

aus einem Kürbis

 

( Kalebassen-Balalaika )

 

Gogol´scher Rundkürbis

von 1842.

 

Der gemeimnisvolle und

verzaubernde Klang der Balalaika leuchtet  bereits

aus ihm heraus  :)

 

Der  "Gogol´sche Rundkopfkürbis"  war allerdings  kein Gartenkürbis, wie auf dem Foto abgebildet, sondern eine  moldawische "Gorljanka", ein  Flaschenkürbis  mit großem kugelrunden Kopf, so groß  w i e  ein  Gartenkürbis. 

Nikolai W. Gogol  berichtet in seinem  Roman "Tote Seelen"  (1842), dass in Russland die jungen Burschen mit einer solchen runden  Kalebassen-Balalaika  die Herzen der Mädchen verzauberten.

Der russische Komponist und Balalaika-Virtuose  Iwan J. Chandoschkin (1747-1804) spielte eine  Kürbis-Balalaika, die innen mit Glaspulver beschichtet war. Fürst Potemkin, der Geliebte der Zarin Katharina II. der Großen, war ein großer Bewunderer seines Spiels auf dieser Balalaika.  

Kürbisse konnten quer- oder  längsgeschnitten sein.  Foto oben: 

ein  q u e r - geschnittener Kürbis.

Der Halbrund-Korpus der Kürbis-Balalaika wurde später auch in Holz gefertigt, sowohl aus 1 Stück, als auch aus Spänen zusammengesetzt, meist aus 7 Spänen.  Runde und dreieckige Balalaiken existierten zeitgleich nebeneinander.
Die runde Balalaika wird heute, um sie von der dreieckigen Form zu unterscheiden, DOMRA  genannt. Das Wort "Domra" ist aus "Tanbur" entstanden.

ALTE  HANDWERKSKUNST:

MUSIKINSTRUMENTE  AUS 1 STÜCK  MASSIV-HOLZ

Nicht nur die Balalaika, sondern noch 2 weitere historische russische Saiteninstrumente wurden aus einem einzigen Stück Birkenholz herausgeschält:  GUSLI ( Psalterium, Zither )  und    GUDOK (  Geige )

Auf den Massivholz-Korpus  wurde  mit  Fischleim  die  Decke  aufgeleimt.

 

Aus gleichem Holz geschnitzt:

BALALAIKA         -        GUSLI         -        GUDOK

Birkenstamm, 70 cm lang: das "Mutter-Holz" dreier historischer Instrumente: 1. schmale Balalaika ("Tanbur-Balalaika"), 2.Dreieckige Kantele (= Gusli, Psalterium), 3. Kurzhalsiger Gudok ("Lira").
Birkenholz-Stamm halbiert: Rohling für ... eine Balalaika ... oder eine Gusli ... oder einen Gudok
Balalaika. Korpus, Hals und Wirbelbrett sind aus 1 einzigen Stück geschnitzt. Decke ist aufgeleimt. Der hypothetische Nachbau vereint die Formvarianten "ovaler Löffel" und "dreieckiges Bootspaddel"
Gusli. Finnische Kantele. Psalterium. Trog-Zither. Schmaler Korpus aus 1 einzigen Stück. Die Decke ist aufgeleimt. Die 5 Saiten verlaufen strahlenförmig, nicht parallel. Sie bilden ein dreieckiges Saiten- feld. Die Korpusform entspricht dem Saitenfeld.
Gudok. "Nowgorod Lira". Ein traditionelles russisches Instrument (seit dem 12. Jhd.), aus Birkenholz geschnitzt. Die Decke ist aufgeleimt. Der Gudok ist ein Streichinstrument: eine 3-saitige Rebec-Geige

                                      NOCH  FRAGEN ?

         Часто задаваемые вопросы о балалайке

Wie ist eine Balalaika aufgebaut?

Warum ist die Balalaika dreieckig ?  War es immer schon so ?

Was haben  Kürbis,  Backtrog  und  Sarg  mit einer Balalaika zu tun ?

Balalaika 2-saitig, 3-saitig, 4-saitig, 6-saitig: trotzdem gleiche Stimmung ?

Wie sind die Saiten der Balalaika gestimmt ?

Warum ist die Balalaika ein 1,54er - Langhals , die Gitarre ein "1er Langhals" ?

Wo kommt die Balalaika her?  Was ist ihr kultureller Hintergrund?

Welches sind die Vorfahren der Balalaika?

Welche Instrumente  sind mit der Balalaika verwandt?

Was ist eine "Schweinskopf-Balalaika" ?

Welche Balalaiken haben einen Stachel?

Sind bunt bemalte Balalaiken spielbar -  oder sind sie nur Deko ?

Diese und weitere Themen werden auf der Website behandelt

 

DIE  BALAIKA:

 

EIN  SAITENINSTRUMENT  IN  DER  TRADITION  DER  ALT-PERSISCHEN  TANBUR

Musikanten. Susa. Persien (2. Jahrtausend v. Chr.) Linke Figur: Tanburspieler

Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AIran_bastan_-_12.jpg

 

EINE  KURZE GESCHICHTE  DER  TANBUR

 

Das langhalsige Zupfinstrument  TANBUR  ist entstanden in einer der frühesten Kulturlandschaften der Welt, in  Mesopotamien.

Die Tanbur ist bereits bei den Sumerern, die im 3. Jahrtausend v.Chr. eine der ersten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte begründet haben, nachgewiesen.

Die Kultur der Sumerer beeinflusste die akkadische, die babylonische, die assyrische, die medische und die persische Kultur.

Durch den militärischen Sieg  Alexanders des Großen  über Persien im Jahr

331 v. Chr. und den darauf folgenden Kulturaustausch ("Hellenismus")

zwischen Griechenland und Persien, also zwischen westlicher und östlicher Welt ("west-östlicher Divan"), gelangte die  TANBUR, ein in Persien weit verbreitetes langhalsiges Zupfinstrument, auch nach Europa. In Griechenland konnte sie sich nicht durchsetzen, dafür aber in dem zum persischen Reich gehörenden Ägypten und im Gebiet nördlich des Kaspischen Meeres, dem späteren ostslavischen (russischen) Siedlungsgebiet entlang von Wolga, Don und Dnjepr.

 

Tanbur = Kleiner Bogen

Der persische Name  TANBUR  geht zurück auf das sumerische  "PAN-TUR",

was "kleiner Bogen" bedeutet:  Pan = Bogen,  tur = klein.

(Quelle: Richard Kinseher, Der Bogen in Kultur, Musik und Medizin, als Werkzeug und Waffe. 2005, Seite 41)

Mit  "Bogen"  ist  gemeint  der gebogene Instrumenten h a l s  einer HARFE.

PAN = BOGEN  stand synonym für die mehrsaitige  HARFE.

Im Gegensatz zum "großen Bogen" der Bogen-Harfe, besaß die Tanbur nur einen schwach gebogenen  kleineren Holzstab mit einer, zwei oder drei darüber gespannten Saite(n), an dessen Ende ein Resonator (Kürbis, Holzschale) angebracht war. Später wurde dieser Bogen begradigt und die darüber laufenden Saiten konnten durch Greifen verkürzt werden. Es entstand die Tanbur.

Bei dieser bilden Resonanzkörper und Hals einen langen Bogen, der ein aus mehreren Saiten bestehendes Saitenfeld umschließt.

Auch die heutige große Orchester-Harfe hat noch die Form eines großen Bogens, gebildet aus Korpus, Knie und Hals (von unten nach oben).

 

Von der 10-saitigen Harfe  zur 2-saitigen Tanbur

Entfernt man von einer 10-saitigen Bogenharfe die 8 hohen Saiten und verringert die Saitenspannung der übriggebliebenen 2 Saiten, dann wird der Bogen

begradigt. Er wird zu einem Stab: zum Instrumentenhals, an dessen Ende sich der Resonanzkörper befindet.

Auf dem Instrumentenhals liegen die beiden langen übriggebliebenen 2 Saiten der Pan-Harfe auf. Damit sie frei schwingen können, müssen sie mit einem Minimal-Abstand  ü b e r  den Hals verlaufen.

Da damals noch keine Saiten-Brücken verwendet wurden, die diesen Abstand herstellten, musste dieser Abstand durch eine schwache Krümmung des Halses hergestellt werden.

 

Der große Bogen der Harfe wurde zum kleinen Bogen der Tanbur:

TANBUR   =   PAN TUR   =   Kleiner Bogen

Die Tanbur ist also eine  k l e i n e  ( tur = klein )  P a n.

 

(Siehe Bild oben: Persische Tanburspieler, 2. Jahrtausend v. Chr.)


Das Charakteristicum des Instrumententyps Tanbur ist also eine Verringerung

der Bogenwölbung des Saitenträgers und eine Verringerung der Saitenanzahl der PAN-Harfe. Dieser neue Instrumententyp war einfacher zu transportieren als die große Pan, außerdem sparte man Saitenmaterial ein.

Der Tonumfang dieser Pantur/Tanbur ist trotz der weggefallenen 8 Saiten der gleiche, denn die hohen Töne werden durch Abgreifen ("Befingern") der langen

2 Saiten erzeugt. Die Anzahl der Töne ist sogar noch größer als die der Harfe.

Alte russische Tanburen (= Balalaiken) besaßen nur 2 Saiten.

 

Nun folgt etwas Mathematik:  Die Umriß-Fläche einer 1,20 Meter hohen Harfe beträgt 5000 qcm.

Die Fläche der gleichen, zur Laute umgewandelten, Harfe beträgt  600 qcm.

Das ist nur ein Achtel der Fläche der Harfe.

 

Die Formenvielfalt der Tanbur

Tanburen besitzen eine große Formenvielfalt. Ihr Korpus kann aus einem Kürbis bestehen oder aus Holz gerfertigt sein, er kann kastenförmig oder schalenförmig sein, die Korpusdecke kann rund, oval, rechteckig, rautenförmig, paddelförmig

und auch dreieckig sein.

Der Name "Balalaika" wurde in Russland im 19. Jahrhundert auf alle runden, paddelförmigen und dreieckigen Tanburen angewandt.

Heute wird der Name "Balalaika" nur auf die dreieckige Tanbur angewandt. Die "runde Balalaika" trägt den an die alte Bezeichnung "Tanbur" angelehnten Namen "Domra".

Die  TANBUREN  des Kaukasus, des Altai und der benachbarten Regionen

werden bisweilen auch als "Balalaiken" bezeichnet, wobei es egal ist, welche

Form sie haben.

Auch diese nicht-russischen "Balalaiken" werden auf dieser Website vorgestellt.

Hauptthema aber ist  die   d r e i e c k i g e    r u s s i s c h e   Balalaika.

Die russische Paddel- bzw. Schaufel-Tanbur

 

Ein Stück Birkenholz (Birkenstamm, Birkenast) war das Ausgangsmaterial

sowohl für Gebrauchsgegenstände als auch für Musikinstrumente.

Aus einem Stück  Birkenholz wurden vielerlei Dinge geschnitzt:

 

ovale Löffel

runde Löffel

schmal-dreieckige Schaufeln,  z.B. "Brotschieber"("chlebnaja lopatka")

Bootspaddeln

und . . . Tanburen . . .  Geigen . . .  Zithern . . .

Tanburen konnten alle oben genannten Löffel- und Paddelformen annehmen.

Nicht nur in Russsland, sondern in  a l l e n  Kulturen ist zu beobachten, dass

die Formen der Musikinstrumente denen der Gebrauchsgegenstände ähneln. 

Beispiele: Ein hölzerner Bogen, ein Löffel,  eine Kelle,  eine Pfanne, ein Paddel,

ein Trog, eine Schaufel, ein Kessel u.a. kann ohne viel Aufwand in ein Musik-instrument verwandelt werden (Zupfinstrument, Streichinstrument, Trommel).

 

Eine Tanbur in ovaler Löffelform hat einen anderen Klang als eine Tanbur in

schmal-dreieckiger Paddelform.

In Russland setzte sich bei den holzgeschnitzten Tanburen die Paddel- oder Schaufelform durch, die sich zum breiten Dreieck entwickelte, wobei jedoch die

konvexe Krümmung der Dreiecks-Seiten  bis heute erhalten blieb. Am Ende des 19.Jhds. bekam die Balalaika ihre heute bekannte typische breit-dreieckige Ausprägung.

 

Namensänderung:  Die Tanbur wird zur Balalaika

Der Name  BALALAIKA  ist nachweisbar seit dem 17. Jahrhundert.

Was vielfach übersehen wird: Der Name "Balalaika" sagt nichts über die Form,

das Aussehen, das Material oder die Herkunft des Instruments aus!

Als "Balalaika" wurden bezeichnet sowohl Tanburen mit rundem, ovalen, schaufelförmigem und schmal-dreieckigem  Korpus

Die runden Balalaiken wurden meist aus einem halbierten Kübis hergestellt.

 

Balalaiken mit rundem Korpus waren entweder Kalebassen-Instrumente,

d.h. sie wurden aus einem halbierten Kürbis hergestellt, oder es waren

Holzinstrumente mit einer flachen runden Pfannenform, die aus einem Stück Birkenstamm herausgeschält wurde ( so z.B. die  ukrainische Kobsa ).

Der Grund,  weshalb  der  Name  "BALALAIKA" auf  diese Tanburen über-

tragen wurde, ist bis heute nicht geklärt.

Auch für die Herkunft und Bedeutung des Namens "Balalaika" gibt es keine Erklärung, weil eine eindeutige  Quelle (noch) fehlt. (siehe Kapitel 1.5)

 

Domra, Bandura, Dombra

Die alte Bezeichnung "Tanbur" für Lauteninstrumente ist im ostslawischen

Raum nicht gänzlich verschwunden. Es gibt einige Saiteninstrumente, in

denen das Wort "Tanbur"  heute noch  fortlebt.

Die drei bekanntesten sind:

1. Die Domra, die runde Balalaika . (Domra = Tanbur)

Deren halbkugelförmiger Korpus wird beute jedoch nicht mehr aus einem halbierten Kürbis hergestellt, sondern aus Holzplanken zusammengesetzt.

2. Die Bandura, das ukrainische Nationalinstrument. ("Pan-tur"= "tanbur").

Sie ist aus der  Kobsa  entstanden, einer Tanbur-Laute mit einem rundem pfannenförmigen Holzkorpus mit flachem Boden.

3. Die Dombra (Dombra=Tanbur), ein langhalsiges Zupfinstrument, das in verschiedener Formgebung in den asiatischen russischen Republiken

anzutreffen ist. Die Dombra ist das Nationalinstrument Kasachstans.

 

Die russische dreieckige Balalaika 

Vom  schmalen Paddel  zum  breiten Delta-Flügel.

1. Paddel

Die Urform der russischen Balalaika ist eine Tanbur, die aus einem einzigen

Stück Holz geschnitzt war.

Der Korpus dieser Tanbur hatte die schmale Dreiecks-Form einer Schaufel

bzw. eines Boots-Paddels. Tanbur und Paddel waren einander sehr ähnlich.

Es sei daran erinnert, dass die wichtigsten Städte im ostslawisch-russischen

Raum an Flüssen gelegen waren. Die meisten russischen Städte sind aus Kaufmanns-Siedlungen hervorgegangen. Die Handelsstrassen waren Wasserstrassen. Der Bootsbau gehörte zum alltäglichen Lebensbereich.

Bootspaddel (Lopata = Schaufel, Paddel) wurden aus einem einzigen Stück

Holz geschnitzt, genauso wie die Tanbur-Balalaiken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Form der Bootspaddel die Korpusform der Tanburen beeinflusst hat.

Paddelförmige Balalaiken wurden "lopatoobrasnyje balalaiki" ("paddelförmige Balalaiken") genannt.

2. Flügel

Die  Korpusform  der  alten  russischen Tanbur-Balalaika kann nicht nur mit

einem Paddel verglichen werden, sondern sie kann auch als Flügelform

gedeutet werden. Gemeint ist ein Vogel- oder Schmetterlingsflügel.

Ihr schmales symmetrisches Dreieck erinnert an das zusammengelegte

Flügelpaar eines Schmetterling-Falters (babotschka).

Wie der Schmetterling seine beiden Flügel entfaltet,  so hat auch die schmale

Paddel-Balalaika ihre "Flügel" breit und weit gemacht. Aus dem "A" wurde ein "Delta". Die schmale Flügelform der historischen Tanbur-Balalaika entfaltete

sich mehr und mehr zum breiten Dreieck, zum  DELTA-FLÜGEL  der heutigen "Andrejew-Balalaika".

 

Die Gusli: Flügel, Doppelflügel, Helm

Den Entwicklungsweg vom schmalflügligen Dreieck zum breiten Flügel-Korpus

hat bereits vorher die alte russische Kastenzither  GUSLI  beschritten:

Vom schmalen Flügel, den heute noch die 5-saitige finnische Kantele besitzt,

hat sie sich in Russland zu einem breiten symmetrischen Flügelpaar entwickelt.

Die schmal-dreieckige Gusli trägt heute immer noch den Namen "Flügel -Gusli"

(krylovidnyje gusli).

Die verbreiterte Form dieser Gusli wurde aber nicht als "Doppelflügel-Gusli"

benannt, sondern, da man in ihrem Delta-Flügel eine Helmform erkannte,

erhielt sie die Bezeichnung "Helm-Gusli" (Schlemovidnyje gusli).

Die Gusli, egal welcher Form, war seit dem 12.Jhd. in Russland sehr weit

verbreitet und überaus beliebt. Sie war das Nationalinstrument Russlands.

 

Die Balalaika: Deltaflügel oder Helm?

Der Delta-Flügel der  HELM-GUSLI, wurde zum Vorbild für die  Korpusform

der russischen Balalaika des 19. Jahrhunderts.

Der Korpus der "Dreiecks-Balalaika" kann also interpretiert werden

als ein  "Deltaflügel"  bzw. als ein  "Helm".

Es war der russische Musiker Wasssili Andrejew, der der schmal-dreieckigen Volksbalalaika ihre  b r e i t e  Flügelform bzw. Helmform gab und dadurch

ihre Klangfarbe dem Klang der Helm-Gusli ähnlicher machte. 

Das  "dulce melos"  der dreieckigen GUSLI, an das das  russische Ohr so sehr

gewöhnt war, lebt somit in der heutigen dreieckigen russischen Balalaika fort.

 

 

             HALBKREIS, TRAPEZ  UND  DREIECK :

Drei programmatische Formen  der  Balalaika-Phylogenese

 

Saiteninstrumente haben sich im Laufe ihrer Geschichte oft radikal gewandelt, viele haben sich "gehäutet" und ihre alten Formen hinter sich gelassen. Auch die Balalaika hat zahlreiche Veränderungen erfahren.

Aber im Gegensatz zu anderen Saiteninstrumenten hat die Balalaika die Spuren ihrer Vergangenheit nicht getilgt, sondern bewahrt ("konserviert"). In diesem Sinne ist sie ein "Musik-Konservatorium". 

Die historischen Formen, die die Balalaika "konserviert" hat, bestehen nicht  zusammenhanglos  nebeneinander  wie  Ausstellungsstücke in  einem  schlecht eingerichteten Museum, sondern sind aufeinander abgestimmt, sind eingefügt in ein  PROPORTIONS-SCHEMA  und  bilden eine organische Einheit.
Die Balalaika ist ein "hölzernes Lehrbuch" wichtiger Kapitel der Kultur-geschichte der Saiteninstrumente. Diese Geschichte ist an der äußeren Form der heutigen Balalaika ablesbar.

 

Ontogenese  und  Phylogenese

Die Bauzeit einer Balalaika beträgt heute wenige Wochen. Nach dieser kurzen Zeit ist ihre "Ontogenese"(Einzelentstehung) abgeschlossen.

Das Erstaunliche: Die heutige "ontogenetische" Erscheinungsform der Balalaika präsentiert eine  Rekapitulation  der  Jahrtausende währenden "Phylogenese" (Entwicklungsgeschichte) dieses Instruments.  Wie kaum ein anderes Saiteninstrument macht die Balalaika wesentliche Kapitel  der Geschichte des Saiteninstrumentenbaus präsent ("Re-Kapitulation").

Sie präsentiert diese Geschichte  in einer geometrischen Formensprache. Folgende "phylogenetische" Formen sind in der heutigen Form der Balalaika erkennbar und sind in einer Einheit miteinander verbunden: 

Bauchige Schale (Halbrund), Kastiger flacher Trog (Trapez) und Dreieck.

 

Vergrößertes Schema: siehe Bilderschau unten

TROG   (Längs- u. Querschnitt)    . . . . . . . .   TRAPEZ

Das schräge plane Hinterbrett (russ.: Sadinka) (engl.: transom) und die schräg gestellten  Zargen-Späne der Balalaika verweisen auf das uralte universale Formschema des  Holztrogs  ( Backtrog, Waschtrog, Sarg ).

 

RUNDSCHALE  (Längs- u. Querschnitt)  . . . HALBKREIS

Die gewölbte Korpus-Unterschale ("roundback") der Balalaika weist hin auf zwei alte historisch bezeugte Balalaika-Bauarten:

1) Kürbis-Balalaika (die Balalaika steht in der Tradition der Jahrtausende alten Kalebassen-Instrumente. Vorbild: die  persische Tanbur)

2) Holzlöffel-Balalaika (Das Vorbild ist hier ebenfalls die  persische Tanbur)

 

DREIECK  (Draufsicht auf das Deckbrett)  . . . DREIECK

Die auffällige dreieckige Form der Balalaika-Resonanzdecke verweist auf die uralten historischen  Dreiecks-Instrumente  HARFE  (Dreiecks-Rahmen)  und  PSALTERIUM  (Dreiecks-Kasten).  Die  dreieckige Form des  Psalteriums 

(russisch "Gusli") ist zum wichtigsten optischen Erkennungszeichen der russischen Balalaika geworden. Auch der "Dreiecksklang" des Psalteriums findet sich im Klangspektrum der Balalaika wieder.  Die kaukasische Balalaika "Pondar" hat sich - anders als die russische Balalaika - nicht zum Dreieck entwickelt. Ihr Deckenumriß zeigt seit dem 10. Jhd. bis heute die puristische  Rechteckform  eines  Holzscheits  (Bildleiste links).

Die "Eltern" der Balalaika  =  Kürbisschale (tykwa)  &  Holztrog (koryto).

Das Erbe dieser beiden "Elternteile"  heute noch an der Form der russ. Balalaika ablesbar:  die  Schalenform  des Kürbis  und  die  Trapezform  des Troges.

Das schräge Stirnbrett des Troges wird "Sadinka" genannt (sad = hinterer Teil). 

Einige kasachische "Balalaiken" (= Dombren) weisen bis heute eine reine Kasten-Trogform auf: umlaufender senkrechter "Pfannen-Rand", ohne  Sadinka-Schräge.

Nicht-dreieckige Holz-Balalaiken (Tanburen, Dombren)

    aus den Gebirgsgebieten  Kaukasus und Altai.

       "Berg-Balalaiken"  (горские балалайки)

Tschetschenische PONDAR (Pandura). "Gorskaja balakaika", "Kaukasus-Balalaika"
"Altai-Balalaika" TOPSCHUR mit löffelförmigem Korpus: корпус ложкоподобный
Georgische Balalaika PANDURI ("Kaukasus-Balalaika"), 7 bis 19 Bünde.

                                          Balalaika-Grammatik

Wie  muß  es  heißen:    Balalaikas   oder   Balalaiken ?

Beide Pluralformen sind möglich.  Ich  verwende  die  traditionelle, durch  den deutsch-russischen "Musikinstrumenten-Zaren" Julius Heinrich Zimmermann eingebürgerte Schreibweise  "Balalaiken".  Zimmermann  ging  1876  von Mecklenburg nach St. Petersburg. Dort eröffnete er eine Musikinstrumenten- werkstatt, die zu den bedeutendsten Russlands zählte. Er war Hof-Lieferant für den Zaren und für die russische Armee. Weitere Werkstätten folgten in: Moskau, London, Riga.  Später ging er nach  Deutschland, wo er Reichstagsabgeordneter wurde. Weitere Musikinstrumentenwerkstätten und -handlungen gründete er in  Berlin, 1900 in Leipzig und 1919 in Markneukirchen.

In Markneukirchen wurden viele Balalaiken gebaut von dem bekannten Instrumen- tenmacher  Paul Fischer. In den Musikinstrumentenkatalogen der Fa. Zimmermann wurden am Anfang noch "Balalaikas" angeboten. In der Niederlassung in Leipzig stand aber auf dem  Firmenschild der Fa. Zimmermann:

"BALALAIKEN  UND  DOMREN".

                                                     Persönliches

Nicht nur theoretisch befasse ich mich  mit der Balalaika - und  das seit  über  40  Jahren  -,  sondern  ich besitze auch einige  Balalaiken und  lebe  in  trauter  Wohngemeinschaft mit einigen dieser Schönheiten und  (leider nur zeitweiligen) "Gespielinnen".

 

Meine  e r s t e  Balalaika  erhielt  ich  1965 - von meiner Mutter: ein Instrument aus Markneukirchen. Typ: Kastiger Korpus mit 2+5 Spänen (2 Zargen, 5 Boden- späne). Das Vorbild für diesen Typ sind die  Balalaiken der Firma Zimmermann (Leipzig, St.Petersburg, Moskau, Riga) von 1913.  Mein  ä l t e s t e s  Instrument   ist die oben gezeigte  Balalaika aus der Werkstatt von  S j u s i n , gebaut  ca. 1900  in St. Petersburg.

Besonderheiten: Decke mit Isba-Golosnik, 7 Späne (wie sie später sein Schüler Galinis baute), Geigen-Steckwirbel, geringe Steghöhe, und mit der historischen Andrejew-Mensur von 9  7/8 Werschok  (43,89 cm).

 

Natürlich fehlt auch nicht  die billige, aber trotzdem legendäre "Olympia Moskau 1980 - Balalaika" (damaliger Preis: 7r. 70k.) mit Kunststoff-Korpusschale.

Bei dieser "lassen grüßen": die Trabbi-Karosserie (Baumwolle/Phenoplast-Gemisch), aber auch die  Ovation-Gitarre. Die berühmte "Martin Ovation", die ebenfalls einen Kunststoff-Korpus (Roundback) mit einer Holzdecke kombiniert,

gilt als Kultgitarre und wird gerühmt wegen ihres  exzellenten seidigen Klanges.

Jetzt wird´s  akademisch:   3 Professoren

Einen  intensiven  Zugang  zur  russischen  Volkslied- und  Volksmusikkultur eröffneten mir meine Vorlesungsbesuche  im  Fachbereich Slawistik an der Uni Tübingen und insbesondere meine Teilnahme am  Slawistischen Colloquium 

im WS 1968, geleitet von  Professor  Wolfgang Kretschmer.

Ein wichtiges Erlebnis war die Begegnung mit  Professor Michael Goldstein,

den ich 1977 persönlich kennenlernen durfte, zu der Zeit, als er sein Buch

"Michail  Ignatieff  und die Balalaika"  schrieb  ( 1. Auflage 1978 ).

Dankbare Erwähnung verdient  Professor  Heinrich Schauerte ( gest. 1975 ), Professor  für Volkskunde  in Paderborn,  zu dessen  engstem  Schülerkreis  ich

gehören  durfte. Sein "Triumvirat" bestand aus Dieter Zeller ( Berlin ), Wolfgang Jokschus  ( Husum ) und mir.  Nicht  nur  Themen der  deutschen, auch der 

o s t s l a w i s c h e n  Volkskunde waren Bestandteil der Vorlesungen und Seminarveranstaltungen  von  Prof. Schauerte.  Unvergessen  sind  seine  Vorlesungen über den Patron Russlands, den heiligen  Nikolaus von Myra und dessen Verehrung im Brauchtum Russlands und anderer christlicher Länder.

Die Kirche des hl.Nikolaus in Nowgorod  - so berichtet  eine bekannte russische Byline -  ließ  Sadko  erbauen, der  legendäre  Guslispieler  von  Nowgorod.

So verbinden sich auf wundersame Art  Instrumentenkunde mit religiöser Volkskunde. Die  Gusli  war seit dem 12.Jhd. das nationale Musikinstrument der Russen. Auch im 19. Jahrhundert wird es als solches aufgeführt. Am Ende des 19.Jhds. begann dann der Siegeszug der  Balalaika. Maßgeblichen Anteil daran hatte Wassili Andrejew.

Kaminholz & Musikholz

Bild oben  und  Bild nebenan:

Viele Instrumente sind arg lädiert

und müssen repariert/restauriert werden,

damit ihnen das "Kaminholz-Schicksal" erspart bleibt.

 

Willst  Du  all  deine  Zeit  verlieren

und  weißt  nicht  wie ?

Greif´ zu  alten  Musikinstrumenten

und  restauriere  sie .

 

Mein Kaminzimmer. Rechts neben dem Kaminofen: 3/4 Kontrabass-Balalaika, 1,60 Meter hoch.

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