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                        Всё о балалайке

 KULTURGESCHICHTE  -  ONTOGENESE  -  AUFBAU  -  TECHNIK

                 7 Kapitel  über  die  russische  Balalaika 

                            Informative  Website

über  das russische Musikinstrument  BALALAIKA

und mit der Balalaika verwandte Instrumente.

                               Letzte Aktualisierung: am 14. 07. 2021

                    Die  Balalaika 

    und  ihre  Verwandtschaft   mit   den  alt-orientalischen,

alt-russischen, finno-ugrischen, kaukasischen und asiatischen

                              Saiteninstrumenten

     TANBUR,   DOMBRA,   GUDOK,   GUSLI,   PSALTERIUM,

                                          и др.

Kürbisbalalaika     -    Holztrogbalalaika    -    Holzbaubalalaika 

   Persische Tanbur     -    Kaukasus-Balalaika    -    Dombra  Domra    -     Baglama    -    Gudok    -   Jouhikko   -  Kantele  Psalterium    -  Gusli   -   Bandura   -   Kalebasseninstrumente

Russische Balalaika. Typ: Andrejew-Balalaika (seit 1895). Allgemeiner Aufbau.

BILDER  EINER  AUSSTELLUNG

Bilderrahmen  bestimmen  das  Design dieser  Website.  Die  eingefügten  Texte und Bilder haben die russische Balalaika zum Inhalt.

Das nebenstehende "Exponat" zeigt eine Balalaika  aus der Werkstatt von Iwan A. Sjusin, St. Peterburg, um 1900.

Bemerkenswert  sind  2 besondere Merkmale, die zu dieser Zeit viele Balalaiken aufwiesen:

1.  eine quadratische Schallöffnung

     = Fenster  einer  russischen   

     Bauernhütte (Isba) 

2. Geigen-Steckwirbel.

    Heutige Balalaiken haben ein rundes Schallloch und eine 90°- Wirbelmechanik, mit einer senkrecht stehenden Spul-Achse und seitenständigen Stell-Wirbeln.

DIE  BALALAIKA   -   EIN  DREIECKIGES  KLANGWUNDER

       

          Balalaika-Form  und  Balalaika-Klang

 

Während viele  Zupf- und Streichinstrumente  (z.B. Violinen, Gitarren und  Flach-Mandolinen)  gerundete  und  ausgeklügelte  kurvenreiche  Formen besitzen,  präsentiert  sich  die  russische  Balalaika  in einer puristischen

DREIECKS-FORM  ( TRIGONIUM ).  Dieses  Dreieck  gilt  als  das  typische  optische Merkmal der Balalaika.

Der  BALALAIKA-KLANG , der ebenso  ungewöhnlich ist  wie  die Form des Instruments, wird aber nicht allein durch die Deckenform bewirkt. Es sind insgesamt 4 Komponenten, die hierfür maßgeblich sind:

 

1.  Die Dreiecks-Form der Instrumenten-Decke

2.  Das  k l e i n e  Schall-Loch  ( 1,8 bis 2 cm Durchmesser )

3.  Der flache Korpus  (eigentlich ein Merkmal von Kasten-Instrumenten)

4.  Der gewölbte Korpus-Boden ("roundback") 

 

Wegen des gewölbten Bodens und des stark angewinkelten  Heckbretts ( Sadinka )  (transom) wird  die  Balalaika  auch  zu  den  S C H A L E N - Lauten  gerechnet.

Balalaika mit schaligem Korpus und stark angewinkeltem Heckbrett (russ.: sadinka, engl.: transom)

               Musikinstrumente  mit Dreiecks-Korpus

                            Harfe  und  Psalterium

 

Der Dreiecks-Korpus  hat eine lange instrumentengeschichtliche Tradition. 

Er  verweist  auf  zwei  uralte  historische  Dreiecks-Musikinstrumente :

 

1.  D r e i e c k s  -  H a r f e                 ( Winkelharfe, Rahmenharfe )  und  

2.  D r e i e c k s  -  P s a l t e r i u m   ( Zither,  finn. Kantele,  russ. Gusli )

 

Diese zwei Dreiecks-Instrumente werden seit jeher gerühmt wegen ihres 

"dulce melos" (dulce = süß, lieblich, betörend (russ.: сладко),  melos  =  Klang.

                       Kaк  непередаваемо  сладко

                       звучит  русская  балалайка !

Mit ihrem dulce melos verzauberten die uralten "Musik-Dreiecke"  HARFE  und  PSALTERIUM  seit jeher  die Ohren  ihrer Zuhörer.  Die  PSALTERIEN Zither,  Gusli,  Kantele  und  ukrainische  Bandura  verzaubern  bis  heute.

Das Lauten-Instrument  BALALAIKA  mit seiner DREIECKSFORM  tut desgleichen !

Der  Klang der Balalaika  wird  vielfach verglichen  mit dem Klang  einer     

               GLOCKE  und  mit  dem  Gesang  einer  NACHTIGALL.

Sogar professionelle Violinspieler sind von der Schönheit des Klanges der Balalaika und von ihrem  "dulce melos"  fasziniert.  Der oft zitierte Ausspruch des Dichters und Philosophen Fjodor M. Dostojewski gilt auch für den Klang der Balalaika:

 

                                   красота  спасёт  мир

                             "Die Schönheit rettet die Welt"

Wozu Balalaika spielen? Antwort hier! ( Bild-Detail einer bemalten Balalaika )

        Von  der  persischen  Tanbur 

       zur  russischen  Balalaika

Das  Instrument  "Balalaika"  wird  in  schriftlichen  Quellen  des  17.  und  18.  Jhd. beschrieben als ein ca. 1 Meter langes Zupfinstrument  mit einem sehr langem Hals  und einem sehr kleinen  ovalen Korpus. 

In Übereinstimmung mit diesen Berichten stehen auch bildhafte Darstellungen der Kunst, z.B. des französischen  Malers  Jean Baptiste Leprince (  1734 - 1781 ),  der  lange  in  Russland  gelebt  und in St. Peterburg gearbeitet hat.

Sein  Bild  "Der Balalaikaspieler"  ( und  ebenso  auch  andere  seiner Bilder )

zeigen  ein genau solches Instrument.   

Dieses  Instrument  entspricht  dem  Typ  der traditionellen  persischen  TANBUR.

Über die Wolga, den Kaukasus und das Kaspische Meer war das ostslavische/

russische Siedlungsgebiet mit  Persien verbunden, sowohl geografisch als auch durch Handelsbeziehungen.

Persische Tanbur, 86 cm lag, mit kleinem rund-ovalem Korpus und verschiebbaren Bünden
Langhalsige "Paddel-Balalaika", 2-saitig, mit diatonischer Bundierung (hypothetischer Nachbau)

  Die  Balalaika  geht  zurück  auf  die  im  alten  Persien

(6.- 4.  Jhd. v. Chr.) verbreitete  Langhals-Laute "Tanbur"

Die TANBUR, ein 2- oder 3-saitiges Zupf-Instrument mit langem Hals und  daran angesetztem kleinem Resonanzkörper war im alten Persien sehr verbreitet.  Der Resonanzkörper war  oval  bis  halbrund.  Er konnte aber

auch andere Formen haben,  z.B. paddelförmig   oder  "abgesägtes Ei".

Von Persien aus hat die Tanbur schon sehr früh über das Kaspische Meer und den Kaukasus seinen Weg nach Russland  und  Asien   gefunden.

 

Aus  einer  schmal-dreieckigen  Paddelform  der  TANBUR  entwickelte  sich  die heutige  breit-dreieckige  russische  BALALAIKA.

Historisch gesehen ist die Balalaika eine russische Sonderform der Tanbur.

In Russland  wurde  die  Tanbur  -  egal  ob mit ovalem,  mit rundem,  mit paddelförmigem oder dreieckigem Korpus,  "BALALAIKA"  genannt.

Wann genau diese Umbenennung geschah, ist bis heute unklar. Die erste urkundliche Erwähnung des Namens "Balalaika" ist im 17. Jhd. bezeugt.

 

Ein  weit  verbreiteter  Irrtum  ist  es,  von  der  Nennung  des  Namens "Balalaika"  in  alten  Quellen  auf  die  heute  verbreitete  Dreiecksform  des  Instruments  zu  schließen.  Mit "Balalaika" wurden  auch Tanburen  mit  z.B.  rundem Korpus bezeichnet !

 

Vom  schmalen  Paddel  zum  breiten  Dreieck

Kurzhalsige schmale "Paddel-Balalaika", "Schmaler Flügel". (hypothetischer Nachbau)

                            Der  "Dreiecks-Klang"

 

Die  meisten  frühen  Balalaiken  (Tanburen)  besaßen  einen  ovalen,

einen schmal-paddelförmigen,  oder -  wie die Kalebassen-Balalaika  -

einen  runden  Korpus.  Je nach Korpusform war der Klang ein anderer.

Häufig wurden Balalaiken zur  Tanzbegleitung  benutzt oder als Straßeninstrument zum Vortragen derber Texte der fahrenden Spielleute,

der Skomorochen (griechisch "skomma"= Spott, Scherz)

Unterschiede in der Klangfarbe der verschiedenen Balalaika-Formen fielen bei dieser Art des Instrumentengebrauchs kaum ins  Gewicht.  Entscheidend  waren Rhythmus und Lautstärke.

Anders  war  es  beim  melodiebetonten  Solo-Spiel, bei  dem  es  darauf ankommt, die Weite und die Tiefgründigkeit russischer Volkslieder zum Ausdruck  zu  bringen.  Russische Volkslieder sind Poesie!

 

Die  Texte  vieler dieser Lieder  sind  literarisch  sehr anspruchsvoll  und  von  gewaltiger  lyrischer  Aussagekraft.

Hauptthema ist die Verletzlichkeit der menschlichen  Existenz.  Wie  ein  roter  Faden  ist  diese  Thematik hineingewoben in die poetischen Texte der russischen Volkslieder.

Um diese Poesie in die Sprache der Musik umzusetzen, bedurfte es eines Musikinstruments, das fähig war, poetisch zu "sprechen".

Balalaiken  mit  dreieckigem  Korpus  konnten  dies! 

Sie besaßen die unerklärliche Eigenschaft, ein Klangspektrum zu entfalten, das voller  Eindringlichkeit,  Tiefe,  Melancholie  und  Transzendenz  war. 

Der Klang der  Dreiecks-Balalaika  verzauberte das "russische Ohr", denn

sein   "dulce  melos"  erinerte  an  den  vertrauten Klang  der  Gusli,  des  geliebten alten  russischen  Volks-Instruments.

Balalaika von 1884, aus der Wassili W. Andrejew die heutige Balalaika entwickelte. Nachbau von 2020 in den Werkstätten von "Balalaiker", Uljanowsk an der Wolga

Die Herstellung einer solchen dreieckigen Balalaika verlangte ein großes handwerkliches Können, denn ihr Korpus  war aus  mehreren verleimten  Planken ("Spänen") gearbeitet.  (Anfangs waren es  3  oder  5  Späne).

Wer ein solches Geschick nicht hatte, musste das Instrument auf dem Warenmarkt kaufen.

Der  Preis  einer aus  Holzplanken gefertigten  Balalaika, auch  wenn  sie  einfach gebaut war, war  sehr hoch.  Er entsprach dem Gegenwert einer Kuh  bzw. eines Pfluges.

Die Balalaika in der Abbildung oben (von 1884) besitzt einen aus 5 Spänen bestehenden Korpus. Das Dreieck ist noch relativ klein und schmal.

Je  breiter  der  Dreiecks - Korpus  der  Balalaika  gestaltet  wurde, umso  mehr  trat  ihr  "dulce melos"- Klang-Charakter  hervor.  So  ist  es  kein  Wunder,  dass  die  breit-dreieckige  Balalaika  zum  heutigen  russischen Nationalinstrument wurde:

                   Pусская балалайка -

                        душа народа

 

Die Entwicklung  zur breiten Dreiecks-Form  der Balalaika kann erklärt werden als Anlehnung  an die  dreieckige Form  der  Gusli  ("russisches Psalterium"), das seit dem 12. Jhd. lange Zeit das russische Nationalinstrument war.  Der russische

Komponist  Nikolai Rimsky-Korsakov  (1844 - 1908) nennt als  d a s  russische Nationalinstrument  die  G u s l i.

Die russische Gusli ist eine Kasten-Zither  (Einordnung nach Hornbostel/Sachs), ebenso wie  die  finnische  Kantele  und  die  heutige ukrainische Bandura.

Kastenzithern (= Psalterien)  haben  ihre  Entsprechung  in  einer  noch  älteren Instrumenten-Form: der  Dreiecks-Harfe  (Trigonium).

 

Kasten-Trigonium, "Russisches Psalterium", "Russische Zither" ( Gusli ), (sog. "Schweinskopf")

Physikalisch bedingt ist das  Saitenfeld  von  Harfen  und  Kastenzithern 

(ebenso wie bei Panflöten)  immer  dreieckig.

Der Korpus der Kastenzithern (Psalterien) kann von den Instrumentenbauern frei gestaltet werden. Oft ist er jrdoch dem dreieckigem Saitenfeld  angeglichen und weist eine Flügel-, Doppelflügel- oder Helmform auf.

Form-analytisch ( nicht  historisch ! ) und unter dem Aspekt eines funktionalen Klangkörpers betrachtet kann man die  Dreiecks-Balalaika  beschreiben  als ein  Kasten-Trigonium  ( DREIECKS-PSALTERIUM) mit  einem  an  den  Korpus  angesetztem  Hals:

Ein Hybrid-Instrument  also, das  - ebenso wie die  ukrainische Bandura - Zither und Laute in sich vereinigt. Beide besitzen einen  Hals. Der Unterschied zwischen beiden:

Die Bandura  präsentiert sich als reine Zither angelehnt an die Form einer Laute. die  Balalaika präsentiert sich als reine Laute, angelehnt an die Korpus-Form

eines Dreiecks-Psalteriums, also einer dreieckigen Zither.

 

                                    FORM-SYNTHESE:         

       VON  DER  TANBUR  ZUR  BALALAIKA

Persische Langhals-Tanbur . . . . Dreickige Kasten-Zither (russische Gusli) . . . . Balalaika heute

                                            Skizze  oben:

Rot:       TANBUR    ( Hier in  2  Varianten:  ovale  Form  und  Paddel-Form )

Blau:     PSALTERIUM  ( = RUSSISCHE GUSLI ) 

Violett:  BALALAIKA HEUTE  (Typ: "Andrejew-Balalaika") = Tanbur + Psalterium.

 

KLEINE  UND  GROSSE  BALALAIKEN:

      DIE  BALALAIKA - FAMILIE

 

DIE BALALAIKA-FAMILIE  1897:   6 INSTRUMENTE

Der russische Musiker Wassili W. Andrejew verbesserte die alte  traditionelle Volks-Balalaika ("Samodelka-Balalaika", "Dorf-Balalaika", "Bauern-Balalaika").

Er verbreiterte ihren dreieckigen Korpus und schuf eine chromatische Bundierung.

Um die Balalaika konzertfähig zu machen, entwarf er verschiedene Baugrößen. 

Er schuf eine  "Balalaika-Familie"  nach dem Vorbild  der  Violin-Familie.

Die traditionelle Balalaika bekam die Bezeichnung  "Prim-Balalaika".

Ihr fügte er 2 kleinere und 3 größere Instrumente der gleichen Bauart hinzu.

Diese 5 hinzugefügten Balalaiken sind nicht Instrumente der russischen Volksinstrumententradition, sondern sind "akademische Schöpfungen", intelligente Weiterentwicklungen für den Konzertgebrauch.

Die erste "Balalaika-Familie" von 1897  umfasste  diese 6 Instrumente:

 

дискант,  пикколо,   прима,   альт,   бас,    контрабас.

(Diskant,  Pikkolo,    Prima,     Alt,     Bass,  Kontrabass)

 

In den Folgejahren erfuhr die Balalaika-Familie einige Veränderungen:

1. Die Diskant-Balalaika wurde aus der Instrumentenfamilie entfernt

2. Zwischen Prim-und Alt-Balalaika wurde die Sekund-Balalaika eingefügt

3. Die Kontrabass-Balalaika wurde, bei gleichbleibender Stimmung, um drei Baugrößen  erweitert. Es gibt also heute 4 Varianten Kontrabass-Balalaiken. 

 

DIE BALALAIKA-FAMILIE 1906:   8 INSTRUMENTE

Im Jahr 1906 kamen 2 weitere Instrumentengrößen hinzu:

Sekund-Balalaika  und  Subkontrabass-Balalaika.

Die Familie der Konzert-Balalaika  bestand  1906  aus  8 Instrumenten :

 

V. l. n. r.: 

Subkontrabass-Balalaika,  Kontrabass-Balalaika,  Bass-Balalaika,  Alt-Balalaika, Sekund-Balalaika,  PRIM-BALALAIKA,  Piccolo-Balalaika,  Diskant-Balalaika.

Die Diskant-Balalaika wird seit ca. 1916 nicht mehr gebaut.

Die Pikkolo-Balalaika ist heute sehr selten, wird aber immer noch zur Balalaika-Familie hinzugerechnet.

DIE BALALAIKA-FAMILIE  1916:   7 INSTRUMENTE

Durch den Wegfall der Diskant-Balalaika Jahr wurden ab  ca. 1916  zur Balalaika-Familie nur noch 7 Instrumente hinzugerechnet:

Pikkolo - Prim - Sekund - Alt -  Bass - Kontrabass - Subkontrabass

 

 

DIE BALALAIKA-FAMILIE HEUTE:  9 INSTRUMENTE

       ( 9 BAUGRÖSSEN  -  6  STIMMLAGEN )

Das kleinste Instrumenet der Familie, die Piccolo-Balalaika wird heute kaum mehr gespielt, wird aber dennoch zur Familie hinzu gerechnet.

Anders verhält es sich bei der Familie der  r u n d e n  Balalaika, der Domra. In

der "Rund-Balalaika-Familie" ist die Piccolo-Domra noch sehr häufig in Gebrauch.

Die Familie  der Orchester-Balalaiken  heute  umfasst  9 Instrumente :

 

  1.  Pikkolo-Balalaika:  ...........  (wird sehr selten gebaut und gespielt)

  2.  Prim-Balalaika: ................  ( ca. 67 cm  lang ) (= histor. Balalaika)

  3.  Sekund-Balalaika  . . . . .     ( ca. 76 cm  lang )

  4.  Alt-Balalaika ..................... ( ca. 83 cm  lang )

  5.  Bass-Balalaika .................. ( ca. 1,10 m lang )

 

  6.  1/4  Kontrabass-Balalaika  ( ca. 1,40 m lang )

  7.  2/4  Kontrabass-Balalaika  ( ca. 1,50 m lang )

  8.  3/4  Kontrabass-Balalaika  ( ca. 1,60 m lang )

  9.  4/4  Kontrabass-Balalaika  ( ca. 1,80 m lang )  "Sub-Kontrabass"

 

  *Die 4 Kontrabass-Balalaiken besitzen alle die gleiche Saitenstimmung

 

Auf die Angabe der I n s t r u m e n t e n - B r e i t e  wurde in der obigen Tabelle verzichtet.  Es gilt zwar das Norm-Maß:  Korpusbreite = Mensur, aber viele Instrumentenbauer bestimmen die Breite oft  frei und intuitiv.

 

Konzert-Balalaika, 24 Bünde. A-Saite: 0,25 mm Stahl, E-Saiten: 0,32 mm Stahl. Mensur: 17"

 

INFORMATIONEN  FÜR DEN  PRAKTIKER:

1. Die Stimmung der Balalaika

 

2. Die Stärke der Saiten

 

3. Die Höhe des Saitenstegs

 

4. Die Position des Saitenstegs

Die Saitenstimmung der Balalaika

 

Die  hohe  Saite  der  Prim-Balalaika  wird  auf  den  Kammerton 

a1  ( A4 )  =  440 Hz  gestimmt.    

Die beiden anderen Saiten  werden 1 Quarte tiefer gestimmt: auf

e1  ( E4 )  =  330 Hz  (exakt: 329,6 Hz)

 

 

Stärke und Material der Saiten

Einzelsaiten  oder  Saitensätze  für Balalaiken  werden von  diversen

Saitenherstellern angeboten.  Die  A-Saite besteht  stets  aus  Stahl.

E-Saiten werden sowohl aus Stahl als auch aus Nylon angeboten.

Bei Saiten aus Stahl schwankt die Saitenstärke sehr stark:
A-Saite:    0,22 mm  bis   0,30 mm  Stahl   ( oder  Stahl-Legierung )

E-Saiten:  0,25 mm  bis   0,40 mm  Stahl   ( oder  Stahl-Legierung ).

 

                                     Klavierdraht

Die käuflichen speziellen Balalaika-Saiten sind oft recht teuer.

 

Wer seine Instrumenten-Saiten oft wechselt und deshalb preiswertere, 

aber dennoch qualitätsmäßig sehr gute Saiten haben will, greift zur

Klaviersaiten-Meterware  ("Klavierdraht", "Piano-Draht").

Die End-Schlaufe der Saite ist sehr leicht selber herzustellen.

 

Für Prim - Balalaiken mit Mensuren von 43 - 44 cm  ist  folgende  

Pianodraht - Besaitung zu empfehlen, die einen hervorragenden

Klang hat und gut spielbar ist:

 

A - Saite:    0,25 mm Stahl   ( Stahl, blank, "Klavierdraht" )

E - Saiten:  0,32 mm Stahl   ( Stahl, blank, "Klavierdraht" )

                                                o d e r :

E - Saiten:  1,00 mm Nylon    ( = Gitarre, Nylon-Saite " G" )

                        Nylon kann auch ersetzt werden durch 0,9 mm Carbon.

 

                        Klavierdraht ist im Online-Handel  erhältlich (Stand 2021):

                        125 g Klavierdraht  0,25 mm  =  325 Meter  =  14,95 Euro

                        125 g Klavierdraht  0,32 mm  =  225 Meter  =  14,95 Euro

 

Eine Diskussion ohne Ende:  Stahl oder Nylon?

E-Saiten  aus  Stahl  korrespondieren  naturgemäß wegen  des  gleichen 

Materials wie die A-Saiten klanglich besser miteinander als eine gemischte

Besaitung. Das Gesamt-Klangbild ist homogener. Ausserdem  erinnert 

es an vertrauten Klang  des  alten russischen Psalteriums, der  GUSLI .

 

           Bei der Balalaika wird oft gerühmt ihr "silberner Klang".  

                     Konsequenterweise muss also gelten: 

            "серебряный звук на серебряных струнах"

                     ("Silberner Klang auf silbernen Saiten")

 

Viele Balalaika-Virtuosen aber wollen gerade dieses "allzu Silbrige" des Klangs vermeiden.  Sie entscheiden sich  für  E-Saiten  aus  Nylon , um  den  tieferen  Tönen  der  Balalaika  die  "samtige" Klangfarbe   der  Naturdarm-Saite  einer  VIOLINE  zu verleihen.

           Wer hat Recht?   Es gilt, wie so oft :  "Suum cuique!"

 

Saitenlage  und  Steg-Höhe

Die Saitenlage wird bestimmt durch die Höhe des Steges. Ist der Steg

zu hoch, dann sind die Saiten schwer zu greifen und der Druck auf die

Fingerkuppen ist sehr stark.  Ist der Steg zu niedrig, dann klirren

und scheppern die Saiten auf den Bünden.

Die Höhe des Saitenfeldes wird an der Stelle der größten Amplitude,

also über dem Oktav-Bund  -  dem 12. Bund  -  gemessen.

Gemessen wird der Abstand zwischen B u n d - Oberkante und Saite.

 

      Für Saiten aus Stahl gilt folgender Wert:

     Saitenlage  über  dem  12. Bund  =  2 mm

 

Voraussetzung ist ein gerader Hals und nicht abgenutzte Bünde,

ansonsten muss die Saitenlage höher sein.

Ist der Steg zu hoch, wird er mit  Sandpapier abgeschliffen. Ist der Steg

zu niedrig, kann er erhöht werden,  indem oben,  auf dem  Steg-Kamm,

ein Metall-Bund eingelasssen wird.

 

Die Position des Saitensteges

Faustregel:

Man mißt die Entfernung  zwischen  Obersattel ( bzw. Null-Bund )

und dem 12. Bund (Oktave). Dieser Wert wird verdoppelt, so dass  

man die Mensur erhält.  Dorthin wird der Steg gestellt.  Gemessen

wird an der Steg-Oberkante.

Da beim  Niederdrücken einer Saite  wegen der Schwellenwirkung

des Metallbundes die Saite eine zusätzliche Spannung erhält, klingt sie höher  als der dem Bund  zugeordnete Ton.  Diese  Abweichung

wird ausgeglichen, indem zur  Mensurposition des Stegs  ca. 1 mm Länge  hinzugegeben wird.  Weitere Korrekturen  der  Stegposition werden nach Gehör vorgenommenoder mit Hilfe eines Stimmgeräts.

Damit beim Solospiel auf der A-Saite der Spielfinger mehr Bewegungsfreiheit erhält, wird di mittlere E -Saite etwas von der A-Saite weggerückt.

Das Verhältnis E - E - A ist meist 2 : 3. Einige Balalaika-Virtuosen wählen sogar das  Verhältnis  2 : 4 ( = 1 : 2) !

Die  Einschnitte auf dem Steg  sollen halbrund eingefeilt werden und dem Durchmesser der Saiten angepasst sein.  Mit  einer  sehr  weichen  Bleistift-Mine

werden die drei Saiten-Einkerbungen eingerieben und somit mit  gleitfähigem Graphit-Pulver  gefüllt. Dies tun auch Geigenspieler.

 

                   Die "Saitenstraße":

    Vom  Heckbrett  bis  zum  Wirbelbrett

             

Die folgenden beide Skizzen zeigen die Saitenführung einer Prim-Balalaika und einer häufig verwendeten  3/4 - Kontrabass-Balalaika.

Der  Weg  führt  vom  Saitenhalter  am  Heckbrett ( Sadinka ) bis  zum Wirbelbrett.

( Die Längenangaben  beziehen sich  auf  die Strecke  der  l ä n g s t e n  Saite.)

 

TON-UMFANG  UND ANZAHL  DER BÜNDE

              der chromatischen Prim-Balalaika

 

Die  Anzahl  der  Bünde  kann  vom  Instrumentenbauer  frei  bestimmt  werden.

Hier die vier gebräuchlichsten Ausführungen:

 

BALALAIKA  MIT  16 BÜNDEN

Tonumfang:  e1  bis  cis3  (=  E4  bis  C#6)

16 Bünde = 1 Oktave + 1 große Sexte

Bei der einfachen chromatischen Volks-Balalaika sind die Bünde nur auf dem

ca. 26 cm langen Instrumenten-Hals  angebracht.

16 Bünde  haben  hier  ihren  Platz.  Der höchste  spielbare  Ton  ist  cis3 .

Er liegt  9 Halbtonschritte ( = 1 große Sexte)  über dem  e2.

Um einen Tonumfang von 2 Oktaven ( e1 bis e3 ) zu erreichen, fehlen dieser

"Volks-Balalaika" 3 Halbtöne.

 

BALALAIKA  MIT  19 BÜNDEN

Tonumfang:  e1  bis  e3  (=  E4  bis  E6)

19 Bünde =  2 Oktaven

Damit  ein  Tonumfang von 2 Oktaven  erreicht  werden  kann, müssen der

einfachen 16-bündigen Volks-Balalaika 3 Bünde hinzugefügt werden. Zu diesem Zweck wird das Griffbrett über den Instrumentenhals hinaus auf den Korpus verlängert. Bei einigen Instrumenten werden die 3 zusätzlichen Bünde auch direkt in die Instrumentendecke eingelassen.

 

BALALAIKA  MIT  24 BÜNDEN

Tonumfang:   e1  bis  a3  (=  E4  bis  A6)

24 BÜNDE  =  2 Oktaven + 1 Quarte

Die meisten Konzert-Balalaiken sind mit 24 Bünden ausgestattet.

Auf der A-Saite einer solchen Balalaika können  2 Oktaven  gespielt werden:

2 Oktaven  =  24 Bünde. Der Diapason der A-Seite geht also a1 bis a3.

Zusammen mit der tieferen Quarte auf der E-Saite ergibt sich ein Tonumfang von

e1 bis a3.

 

BALALAIKA  MIT  31 BÜNDEN

Tonumfang:   e1  bis  e4  (=  E4  bis  E7)

31 BÜNDE  =  3 Oktaven

Eine "Profi-Konzert-Balalaika"  hat  den  "Ehrgeiz",  3 Oktaven  zu  umfassen 

(e1  -  e4). Im Vergleich zu einer 24-bündigen Konzert-Balalaika ist ihr Tonumfang um 1 Quinte  (= 7 Halbtonschritte) erweitert.

Es müssen also 7 Bünde hinzugefügt werden:  24 + 7   =  31.

Dazu wird das Griffbrett noch weiter auf den Korpus verlängert, so dass es bis dicht an das Schall-Loch heranreicht.

 

Die drei  prägenden  Grundformen  der heutigen Balalaika:

DREIECK   -   HALBKUGEL   -   TRAPEZ

Die Korpus-Form der heutigen russischen Balalaika wird bestimmt durch drei geometrische Grundformen: 

1. TRAPEZ         ( = TROG )      

2. HALBKUGEL  (=  SCHALE )

3. DREIECK       ( = der "GEFÄß-DECKEL" )

Alle  drei Formen  haben nicht nur  abstrakte geometrische Bedeutung, sondern sind reale, im Musikinstrumentenbau vorkommende Formen.

Alle drei sind  nicht nur formprägend, sondern auch klangprägend.

Mehr Informationen  zu  dieser "Formen-Analyse" weiter unten auf dieser Seite.

 

Instrumentenwissenschaft:

 

Die Einordnung der Balalaika

in der Hornbostel-Sachs-Systematik

 

Die Hornbostel-Sachs-Systematik von 1914 ist der Versuch einer Klassifizierung

der Musikinstrumente. Obwohl viele Instrumente sich einer eindeutigen Klassifizierung entziehen, hat sich diese Systematik durchgesetzt.

Die Balalaika ist, gemäß dieser Systematik, ein Saiten-instrument (Chordophon), bestehend aus einem Saitenträger ( Stab, "Hals" ) und einem fest mit diesem verbundenen Resonanzkörper.

Hornbostel und Sachs verwendeten für diesen Instrumententyp nicht den historischen persischen Namen "Tanbur", auch nicht den bis Ende des 19. Jhds. verwendeten Namen "Zither" (auch die Gitarre wurde als Zither bezeichnet), sondern den Namen "LAUTE", der vom arabischen Wort  "el ud" (= "das Holz")

abgeleitet ist.

 

Laut  der Hornbostel-Sachs-Systematik ist die Balalaika eine  "Halslaute".

Halslauten haben die Klassifizierung  321.32.

Die Hornbostel/Sachs-Systematik unterscheidet zwischen Halslauten mit

Kasten-Korpus und Halslauten mit  Schalen-Korpus.

 

Schalenhalslauten haben die  Klassifizierung  321.321 

(z.B. Laute, Baglama, Bouzouki, Rundbauch-Mandoline)

 

Kastenhalslauten  haben  die  Klassifizierung  321.322  

(z.B. Gitarre, Ukulele, Geige, Flach-Mandoline)

 

Die Hornbostel/Sachs-Systematik ordnet die Balalaika in die Gruppe

der  SCHALENHALSLAUTEN  ein.

Für die überwiegende Anzahl der Balalaiken ist diese Einordnung korrekt.

Es gibt jedoch Balalaiken, die alle Merkmale einer Kastenhalslaute haben.

Bei einigen Balalaikaformen sind die Übergänge zwischen Schale und Kasten fließend.

Auch andere Instrumenten-Korpora können sowohl schalig als auch kastig ausgebildet sein, so z.B. der lange schmale Resonanzkörper der Harfe, der

wegen seiner pyramidenförmigen Dreiecksform eine gewisse Ähnlichkeit mit

dem Balalaika-Korpus hat. Es gibt Harfen mit Kastenkorpus und auch Harfen

mit gewölbtem Rundbauchkorpus.

 

DAS  BALALAIKA  

      DREIECK

 

1) PADDEL, SCHAUFEL 

           ("lopata")

 

2) FLÜGEL     ("krylo")

    (krylovidnaja balalaika)

     (krylo = Flügel von Vögeln  

     und  Faltern).

 

3) HELM     ("schlem")

     (schlemovidnaya balalaika)

 

3) GLOCKE ("kolokol")

 

Skizze :

Im Jahr 1884 schuf Wassili W. Andrejew  eine Verbreiterung des Dreieckskorpus der Balalaika und näherte damit die schmal-dreieckige Balalaika der breit-dreieckigen Form der Helm-Gusli an. 

Seitdem gilt das (ungefähre) Richtmaß: 

 

DIE  KORPUSBREITE  DER  BALALAIKA  (IHRE  "FLÜGEL-SPANNWEITE")

ENTSPRICHT  DER  LÄNGE  IHRER  MENSUR

 

"Helm"  und  "Flügel"  sind in der russischen Instrumentenkunde historische Bezeichnungen für Psalteriums-Formen:

Das russische Psalterium, die GUSLI, auch "russische Zither" genannt, hatte zwei traditionelle Formen, die sehr verbreitet waren:

1. schlemovidnye gusliHelm-Gusli

2. krylovidnye gusli      =  Flügel-Gusli

"Flügelform" bezeichnet entweder eine Einfach- oder  eine Doppel-Flügelform.

Die finnische Kantele hat die Form eines Einfach-Flügels.

Die heutige russische Balalaika besitzt eine breite Doppel-Flügel-Form.

Doppelflügel = Delta-Flügel.

Гусли. Gusli-Psalterium, Trapezform. Die das Trapez umschreibende Grundform ist das Dreieck.

Die Farbe BLAU (= Farbe des Meeres) verweist darauf, dass der Guslispieler Sadko, so erzählt eine Byline, sein Instrument auch auf dem Meeresgrund spielte.

ZWEI  HISTORISCHE  BAUWEISEN DER BALALAIKA :

 

BALALAIKEN  AUS  KÜRBIS  UND  HOLZ

Eine  runde  Balalaika

aus einem Kürbis

 

( Kalebassen-Balalaika )

 

Gogol´scher Rundkürbis

von 1842.

 

Der gemeimnisvolle und

verzaubernde Klang der Balalaika leuchtet  bereits

aus ihm heraus  :)

 

Der  "Gogol´sche Rundkopfkürbis"  war allerdings  kein Gartenkürbis, wie auf dem Foto abgebildet, sondern eine  moldawische "Gorljanka", ein  Flaschenkürbis  mit großem kugelrunden Kopf, so groß  w i e  ein  Gartenkürbis. 

Nikolai W. Gogol  berichtet in seinem  Roman "Tote Seelen"  (1842), dass in Russland die jungen Burschen mit einer solchen runden  Kalebassen-Balalaika  die Herzen der Mädchen verzauberten.

Der russische Komponist und Balalaika-Virtuose  Iwan J. Chandoschkin (1747-1804) spielte eine  Kürbis-Balalaika, die innen mit Glaspulver beschichtet war. Fürst Potemkin, der Geliebte der Zarin Katharina II. der Großen, war ein großer Bewunderer seines Spiels auf dieser Balalaika.  

Kürbisse konnten quer- oder  längsgeschnitten sein.  Foto oben: 

ein  q u e r - geschnittener Kürbis.

Der Halbrund-Korpus der Kürbis-Balalaika wurde später auch in Holz gefertigt, bestehend meist aus 7 Spänen.  Dieses Instrument wird heute, um es von der dreieckigen Form zu unterscheiden, DOMRA  genannt.

ALTE  TECHNIK:

MUSIKINSTRUMENTE  AUS  MASSIV-HOLZ

 

Nicht nur die Balalaika, sondern noch 2 weitere historische russische Saiteninstrumente wurden aus einem einzigen Stück Birkenholz herausgeschält:   GUSLI ( Psalterium, Zither )   und    GUDOK (  Geige )

Auf den Massivholz-Korpus  wurde  mit  Fischleim  die  Decke  aufgeleimt.

 

BIRKENHOLZ    -   BALALAIKA   -    GUSLI   -    GUDOK

Birkenstamm, 70 cm lang: das "Mutter-Holz" dreier historischer Instrumente: 1. schmale Balalaika ("Tanbur-Balalaika"), 2.Dreieckige Kantele (= Gusli, Psalterium), 3. Kurzhalsiger Gudok ("Lira").
Birkenholz-Stamm halbiert: Rohling für ... eine Balalaika ... oder eine Gusli ... oder einen Gudok
Balalaika. Korpus, Hals und Wirbelbrett sind aus 1 einzigen Stück geschnitzt. Decke ist aufgeleimt. Der hypothetische Nachbau vereint die Formvarianten "ovaler Löffel" und "dreieckiges Bootspaddel"
Gusli. Finnische Kantele. Psalterium. Trog-Zither. Schmaler Korpus aus 1 einzigen Stück. Die Decke ist aufgeleimt. Die 5 Saiten verlaufen strahlenförmig, nicht parallel. Sie bilden ein dreieckiges Saiten- feld. Die Korpusform entspricht dem Saitenfeld.
Gudok. "Nowgorod Lira". Ein traditionelles russisches Instrument (seit dem 12. Jhd.), aus Birkenholz geschnitzt. Die Decke ist aufgeleimt. Der Gudok ist ein Streichinstrument: eine 3-saitige Rebec-Geige

                                      NOCH  FRAGEN ?

         Часто задаваемые вопросы о балалайке

Wie ist eine Balalaika aufgebaut?

Warum ist die Balalaika dreieckig ?  War es immer schon so ?

Was haben  Kürbis,  Backtrog  und  Sarg  mit einer Balalaika zu tun ?

Balalaika 2-saitig, 3-saitig, 4-saitig, 6-saitig: trotzdem gleiche Stimmung ?

Wie sind die Saiten der Balalaika gestimmt ?

Warum ist die Balalaika ein 1,54er - Langhals , die Gitarre ein "1er Langhals" ?

Wo kommt die Balalaika her?  Was ist ihr kultureller Hintergrund?

Welches sind die Vorfahren der Balalaika?

Welche Instrumente  sind mit der Balalaika verwandt?

Was ist eine "Schweinskopf-Balalaika" ?

Welche Balalaiken haben einen Stachel?

Sind bunt bemalte Balalaiken spielbar -  oder sind sie nur Deko ?

Diese und weitere Themen werden auf der Website behandelt

 

DIE  BALAIKA:

 

EIN  SAITENINSTRUMENT  IN  DER  TRADITION  DER  ALT-PERSISCHEN  TANBUR

Musikanten. Susa. Persien (2. Jahrtausend v. Chr.) Linke Figur: Tanburspieler

Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AIran_bastan_-_12.jpg

 

EINE  KURZE GESCHICHTE  DER  TANBUR

 

Das langhalsige Zupfinstrument  TANBUR  ist entstanden in einer der frühesten Kulturlandschaften der Welt, in  Mesopotamien.

Die Tanbur ist bereits bei den Sumerern, die im 3. Jahrtausend v.Chr. eine der ersten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte begründet haben, nachgewiesen.

Die Kultur der Sumerer beeinflusste die akkadische, die babylonische, die assyrische, die medische und die persische Kultur.

Durch den militärischen Sieg  Alexanders des Großen  über Persien im Jahr

331 v. Chr. und den darauf folgenden Kulturaustausch ("Hellenismus")

zwischen Griechenland und Persien, also zwischen westlicher und östlicher Welt ("west-östlicher Divan"), gelangte die  TANBUR, ein in Persien weit verbreitetes langhalsiges Zupfinstrument, auch nach Europa. In Griechenland konnte sie sich nicht durchsetzen, dafür aber in dem zum persischen Reich gehörenden Ägypten und im Gebiet nördlich des Kaspischen Meeres, dem späteren ostslavischen (russischen) Siedlungsgebiet entlang von Wolga, Don und Dnjepr.

 

Tanbur = Kleiner Bogen

Der persische Name  TANBUR  geht zurück auf das sumerische  "PAN-TUR",

was "kleiner Bogen" bedeutet:  Pan = Bogen,  tur = klein.

(Quelle: Richard Kinseher, Der Bogen in Kultur, Musik und Medizin, als Werkzeug und Waffe. 2005, Seite 41)

Mit  "Bogen"  ist  gemeint  der gebogene Instrumenten h a l s  einer HARFE.

PAN = BOGEN  stand synonym für die mehrsaitige  HARFE.

Im Gegensatz zum "großen Bogen" der Bogen-Harfe, besaß die Tanbur nur einen schwach gebogenen  kleineren Holzstab mit einer, zwei oder drei darüber gespannten Saite(n), an dessen Ende ein Resonator (Kürbis, Holzschale) angebracht war. Später wurde dieser Bogen begradigt und die darüber laufenden Saiten konnten durch Greifen verkürzt werden. Es entstand die Tanbur.

Bei dieser bilden Resonanzkörper und Hals einen langen Bogen, der ein aus mehreren Saiten bestehendes Saitenfeld umschließt.

Auch die heutige große Orchester-Harfe hat noch die Form eines großen Bogens, gebildet aus Korpus, Knie und Hals (von unten nach oben).

 

Von der 10-saitigen Harfe  zur 2-saitigen Tanbur

Entfernt man von einer 10-saitigen Bogenharfe die 8 hohen Saiten und verringert die Saitenspannung der übriggebliebenen 2 Saiten, dann wird der Bogen

begradigt. Er wird zu einem Stab: zum Instrumentenhals, an dessen Ende sich der Resonanzkörper befindet.

Auf dem Instrumentenhals liegen die beiden langen übriggebliebenen 2 Saiten der Pan-Harfe auf. Damit sie frei schwingen können, müssen sie mit einem Minimal-Abstand  ü b e r  den Hals verlaufen.

Da damals noch keine Saiten-Brücken verwendet wurden, die diesen Abstand herstellten, musste dieser Abstand durch eine schwache Krümmung des Halses hergestellt werden.

 

Der große Bogen der Harfe wurde zum kleinen Bogen der Tanbur:

TANBUR   =   PAN TUR   =   Kleiner Bogen

Die Tanbur ist also eine  k l e i n e  ( tur = klein )  P a n.

 

(Siehe Bild oben: Persische Tanburspieler, 2. Jahrtausend v. Chr.)


Das Charakteristicum des Instrumententyps Tanbur ist also eine Verringerung

der Bogenwölbung des Saitenträgers und eine Verringerung der Saitenanzahl der PAN-Harfe. Dieser neue Instrumententyp war einfacher zu transportieren als die große Pan, außerdem sparte man Saitenmaterial ein.

Der Tonumfang dieser Pantur/Tanbur ist trotz der weggefallenen 8 Saiten der gleiche, denn die hohen Töne werden durch Abgreifen ("Befingern") der langen

2 Saiten erzeugt. Die Anzahl der Töne ist sogar noch größer als die der Harfe.

Alte russische Tanburen (= Balalaiken) besaßen nur 2 Saiten.

 

Nun folgt etwas Mathematik:  Die Umriß-Fläche einer 1,20 Meter hohen Harfe beträgt 5000 qcm.

Die Fläche der gleichen, zur Laute umgewandelten, Harfe beträgt  600 qcm.

Das ist nur ein Achtel der Fläche der Harfe.

 

Die Formenvielfalt der Tanbur

Tanburen besitzen eine große Formenvielfalt. Ihr Korpus kann aus einem Kürbis bestehen oder aus Holz gerfertigt sein, er kann kastenförmig oder schalenförmig sein, die Korpusdecke kann rund, oval, rechteckig, rautenförmig, paddelförmig

und auch dreieckig sein.

Der Name "Balalaika" wurde in Russland im 19. Jahrhundert auf alle runden, paddelförmigen und dreieckigen Tanburen angewandt.

Heute wird der Name "Balalaika" nur auf die dreieckige Tanbur angewandt. Die "runde Balalaika" trägt den an die alte Bezeichnung "Tanbur" angelehnten Namen "Domra".

Die  TANBUREN  des Kaukasus, des Altai und der benachbarten Regionen

werden bisweilen auch als "Balalaiken" bezeichnet, wobei es egal ist, welche

Form sie haben.

Auch diese nicht-russischen "Balalaiken" werden auf dieser Website vorgestellt.

Hauptthema aber ist  die   d r e i e c k i g e    r u s s i s c h e   Balalaika.

Die russische Paddel- bzw. Schaufel-Tanbur

 

Ein Stück Birkenholz (Birkenstamm, Birkenast) war das Ausgangsmaterial

sowohl für Gebrauchsgegenstände als auch für Musikinstrumente.

Aus einem Stück  Birkenholz wurden vielerlei Dinge geschnitzt:

 

ovale Löffel

runde Löffel

schmal-dreieckige Schaufeln,  z.B. "Brotschieber"("chlebnaja lopatka")

Bootspaddeln

und . . . Tanburen . . .  Geigen . . .  Zithern . . .

Tanburen konnten alle oben genannten Löffel- und Paddelformen annehmen.

Nicht nur in Russsland, sondern in  a l l e n  Kulturen ist zu beobachten, dass

die Formen der Musikinstrumente denen der Gebrauchsgegenstände ähneln. 

Beispiele: Ein hölzerner Bogen, ein Löffel,  eine Kelle,  eine Pfanne, ein Paddel,

ein Trog, eine Schaufel, ein Kessel u.a. kann ohne viel Aufwand in ein Musik-instrument verwandelt werden (Zupfinstrument, Streichinstrument, Trommel).

 

Eine Tanbur in ovaler Löffelform hat einen anderen Klang als eine Tanbur in

schmal-dreieckiger Paddelform.

In Russland setzte sich bei den holzgeschnitzten Tanburen die Paddel- oder Schaufelform durch, die sich zum Dreieck entwickelte, wobei jedoch die

Krümmung der Seiten bis heute erhalten blieb.

Das schmale Dreieck der Taanbur wurde im Laufe der Entwicklung  mehr und

mehr verbreitert, bis das Instrument am Ende des 19.Jhds. seine heute

bekannte typische breit-dreieckige Ausprägung bekam.

 

Namensänderung:  Die Tanbur wird zur Balalaika

Der Name  BALALAIKA  ist nachweisbar seit dem 17. Jahrhundert.

Was vielfach übersehen wird: Der Name "Balalaika" sagt nichts über die Form

und über das Material des Instruments aus!

Als "Balalaika" wurden bezeichnet sowohl Tanburen mit  r u n d e m  Korpus

als auch Tanburen mit  d r e i e c k i g e m  Korpus.

Die runden Balalaiken wurden meist aus einem Kübis hergestellt.

 

Balalaiken mit rundem Korpus waren entweder Kalebassen-Instrumente,

d.h. sie wurden aus einem halbierten Kürbis hergestellt, oder es waren

Holzinstrumente mit einer flachen runden Pfannenform, die aus einem Stück Birkenstamm herausgeschält wurde (so z.B. die ukrainische Kobsa).

Der Grund,  weshalb  der  Name  "BALALAIKA" auf  diese Tanburen über-

tragen wurde, ist bis heute nicht geklärt.

Auch für die Herkunft und Bedeutung des Namens "Balalaika" gibt es keine Erklärung, weil eine eindeutige  Quelle (noch) fehlt. (siehe Kapitel 1.5)

 

Domra, Bandura, Dombra

Die alte Bezeichnung "Tanbur" für Lauteninstrumente ist im ostslawischen

Raum nicht gänzlich verschwunden. Es gibt einige Saiteninstrumente, in

denen das Wort "Tanbur"  heute noch  fortlebt.

Die drei bekanntesten sind:

1. Die Domra, die runde Balalaika . (Domra = Tanbur)

Deren halbkugelförmiger Korpus wird beute jedoch nicht mehr aus einem halbierten Kürbis hergestellt, sondern aus Holzplanken zusammengesetzt.

2. Die Bandura, das ukrainische Nationalinstrument. ("Pan-tur"= "tanbur").

Sie ist aus der  Kobsa  entstanden, einer Tanbur-Laute mit einem rundem pfannenförmigen Holzkorpus mit flachem Boden.

3. Die Dombra (Dombra=Tanbur), ein langhalsiges Zupfinstrument, das in verschiedener Formgebung in den asiatischen russischen Republiken

anzutreffen ist. Die Dombra ist das Nationalinstrument Kasachstans.

 

Die russische dreieckige Balalaika 

Vom  schmalen Paddel  zum  breiten Delta-Flügel.

1. Paddel

Die Urform der russischen Balalaika ist eine Tanbur, die aus einem einzigen

Stück Holz geschnitzt war.

Der Korpus dieser Tanbur hatte die schmale Dreiecks-Form einer Schaufel

bzw. eines Boots-Paddels. Tanbur und Paddel waren einander sehr ähnlich.

Es sei daran erinnert, dass die wichtigsten Städte im ostslawisch-russischen

Raum an Flüssen gelegen waren. Die meisten russischen Städte sind aus Kaufmanns-Siedlungen hervorgegangen. Die Handelsstrassen waren Wasserstrassen. Der Bootsbau gehörte zum alltäglichen Lebensbereich.

Bootspaddel (Lopata = Schaufel, Paddel) wurden aus einem einzigen Stück

Holz geschnitzt, genauso wie die Tanbur-Balalaiken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Form der Bootspaddel die Korpusform der Tanburen beeinflusst hat.

Paddelförmige Balalaiken wurden "lopatoobrasnyje balalaiki" ("paddelförmige Balalaiken") genannt.

2. Flügel

Die  Korpusform  der  alten  russischen Tanbur-Balalaika kann nicht nur mit

einem Paddel verglichen werden, sondern sie kann auch als Flügelform

gedeutet werden. Gemeint ist ein Vogel- oder Schmetterlingsflügel.

Ihr schmales symmetrisches Dreieck erinnert an das zusammengelegte

Flügelpaar eines Schmetterling-Falters (babotschka).

Wie der Schmetterling seine beiden Flügel entfaltet,  so hat auch die schmale

Paddel-Balalaika ihre "Flügel" breit und weit gemacht. Aus dem "A" wurde ein "Delta". Die schmale Flügelform der historischen Tanbur-Balalaika entfaltete

sich mehr und mehr zum breiten Dreieck, zum  DELTA-FLÜGEL  der heutigen "Andrejew-Balalaika".

 

Die Gusli: Flügel, Doppelflügel, Helm

Den Entwicklungsweg vom schmalflügligen Dreieck zum breiten Flügel-Korpus

hat bereits vorher die alte russische Kastenzither  GUSLI  beschritten:

Vom schmalen Flügel, den heute noch die 5-saitige finnische Kantele besitzt,

hat sie sich in Russland zu einem breiten symmetrischen Flügelpaar entwickelt.

Die schmal-dreieckige Gusli trägt heute immer noch den Namen "Flügel -Gusli"

(krylovidnyje gusli).

Die verbreiterte Form dieser Gusli wurde aber nicht als "Doppelflügel-Gusli"

benannt, sondern, da man in ihrem Delta-Flügel eine Helmform erkannte,

erhielt sie die Bezeichnung "Helm-Gusli" (Schlemovidnyje gusli).

Die Gusli, egal welcher Form, war seit dem 12.Jhd. in Russland sehr weit

verbreitet und überaus beliebt. Sie war das Nationalinstrument Russlands.

 

Die Balalaika: Deltaflügel oder Helm?

Der Delta-Flügel der  HELM-GUSLI, wurde zum Vorbild für die  Korpusform

der russischen Balalaika des 19. Jahrhunderts.

Der Korpus der "Dreiecks-Balalaika" kann also interpretiert werden

als ein  "Deltaflügel"  bzw. als ein  "Helm".

Es war der russische Musiker Wasssili Andrejew, der der schmal-dreieckigen Volksbalalaika ihre  b r e i t e  Flügelform bzw. Helmform gab und dadurch

ihre Klangfarbe dem Klang der Helm-Gusli ähnlicher machte. 

Das  "dulce melos"  der dreieckigen GUSLI, an das das  russische Ohr so sehr

gewöhnt war, lebt somit in der heutigen dreieckigen russischen Balalaika fort.

 

                 Formgeschichtliche  Methode

Die Methode, die diese Website anwendet, um die Balalaika zu erklären, ist die formgeschichtliche Methode. Diese ist nicht zu verwechseln mit der bibelwissenschaftlichen Methode gleichen  Namens: dort geht es um literarische Gattungen, hier geht es um "Formgattungen":  historisch gewachsene Instru-mentenformen, wie sie in der Balalaika-Phylogenese auftauchen.

 

             HALBKREIS, TRAPEZ  UND  DREIECK :

Drei programmatische Formen  der  Balalaika-Phylogenese

 

Saiteninstrumente haben sich im Laufe ihrer Geschichte oft radikal gewandelt, viele haben sich "gehäutet" und ihre alten Formen hinter sich gelassen. Auch die Balalaika hat zahlreiche Veränderungen erfahren.

Aber im Gegensatz zu anderen Saiteninstrumenten hat die Balalaika die Spuren ihrer Vergangenheit nicht getilgt, sondern bewahrt ("konserviert"). In diesem Sinne ist sie ein "Musik-Konservatorium". 

Die historischen Formen, die die Balalaika "konserviert" hat, bestehen nicht  zusammenhanglos  nebeneinander  wie  Ausstellungsstücke in  einem  schlecht eingerichteten Museum, sondern sind aufeinander abgestimmt, sind eingefügt in ein  PROPORTIONS-SCHEMA  und  bilden eine organische Einheit.
Die Balalaika ist ein "hölzernes Lehrbuch" wichtiger Kapitel der Kultur-geschichte der Saiteninstrumente. Diese Geschichte ist an der äußeren Form der heutigen Balalaika ablesbar.

 

Ontogenese  und  Phylogenese

Die Bauzeit einer Balalaika beträgt heute wenige Wochen. Nach dieser kurzen Zeit ist ihre "Ontogenese"(Einzelentstehung) abgeschlossen.

Das Erstaunliche: Die heutige "ontogenetische" Erscheinungsform der Balalaika präsentiert eine  Rekapitulation  der  Jahrtausende währenden "Phylogenese" (Entwicklungsgeschichte) dieses Instruments.  Wie kaum ein anderes Saiteninstrument macht die Balalaika wesentliche Kapitel  der Geschichte des Saiteninstrumentenbaus präsent ("Re-Kapitulation").

Sie präsentiert diese Geschichte  in einer geometrischen Formensprache. Folgende "phylogenetische" Formen sind in der heutigen Form der Balalaika erkennbar und sind in einer Einheit miteinander verbunden: 

Bauchige Schale (Halbrund), Kastiger flacher Trog (Trapez) und Dreieck.

 

DIE  PRÄGENDEN  FORMEN  DER  BALALAIKA:

 

DREIECK   -   TROG   -   HALBKUGEL

Балалайка. Die 3 prägenden Formelemente der heutigen Balalaika: Trapez, Halbkreis, Dreieck.

Zur Skizze:

Die  Korpus-Form  der  heutigen russischen  Balalaika  wird  bestimmt  durch  drei  Form-Charakteristika: 

 

Die 2 räumlichen  Gefäßformen  "TROG"  und   "HALBKUGEL-SCHALE"  und  die  Flächenform  "DREIECK" (Der "Gefäß-Deckel")

 

Vergrößertes Schema: siehe Bilderschau unten

TROG   (Längs- u. Querschnitt)    . . . . . . . .   TRAPEZ

Das schräge plane Hinterbrett (russ.: Sadinka) (engl.: transom) und die schräg gestellten  Zargen-Späne der Balalaika verweisen auf das uralte universale Formschema des  Holztrogs  ( Backtrog, Waschtrog, Sarg ).

 

RUNDSCHALE  (Längs- u. Querschnitt)  . . . HALBKREIS

Die gewölbte Korpus-Unterschale ("roundback") der Balalaika weist hin auf zwei alte historisch bezeugte Balalaika-Bauarten:

1) Kürbis-Balalaika (die Balalaika steht in der Tradition der Jahrtausende alten Kalebassen-Instrumente. Vorbild: die  persische Tanbur)

2) Holzlöffel-Balalaika (Das Vorbild ist hier ebenfalls die  persische Tanbur)

 

DREIECK  (Draufsicht auf das Deckbrett)  . . . DREIECK

Die auffällige dreieckige Form der Balalaika-Resonanzdecke verweist auf die uralten historischen  Dreiecks-Instrumente  HARFE  (Dreiecks-Rahmen)  und  PSALTERIUM  (Dreiecks-Kasten).  Die  dreieckige Form des  Psalteriums 

(russisch "Gusli") ist zum wichtigsten optischen Erkennungszeichen der russischen Balalaika geworden. Auch der "Dreiecksklang" des Psalteriums findet sich im Klangspektrum der Balalaika wieder.  Die kaukasische Balalaika "Pondar" hat sich - anders als die russische Balalaika - nicht zum Dreieck entwickelt. Ihr Deckenumriß zeigt seit dem 10. Jhd. bis heute die puristische  Rechteckform  eines  Holzscheits  (Bildleiste links).

Die "Eltern" der Balalaika  =  Kürbisschale (tykwa)  &  Holztrog (koryto).

Das Erbe dieser beiden "Elternteile"  heute noch an der Form der russ. Balalaika ablesbar:  die  Schalenform  des Kürbis  und  die  Trapezform  des Troges.

Das schräge Stirnbrett des Troges wird "Sadinka" genannt (sad = hinterer Teil). 

Einige kasachische "Balalaiken" (= Dombren) weisen bis heute eine reine Kasten-Trogform auf: umlaufender senkrechter "Pfannen-Rand", ohne  Sadinka-Schräge.

Nicht-dreieckige Holz-Balalaiken (Tanburen, Dombren)

    aus den Gebirgsgebieten  Kaukasus und Altai.

       "Berg-Balalaiken"  (горские балалайки)

Tschetschenische PONDAR (Pandura). "Gorskaja balakaika", "Kaukasus-Balalaika"
"Altai-Balalaika" TOPSCHUR mit löffelförmigem Korpus: корпус ложкоподобный
Georgische Balalaika PANDURI ("Kaukasus-Balalaika"), 7 bis 19 Bünde.

                                          Balalaika-Grammatik

Wie  muß  es  heißen:    Balalaikas   oder   Balalaiken ?

Beide Pluralformen sind möglich.  Ich  verwende  die  traditionelle, durch  den deutsch-russischen "Musikinstrumenten-Zaren" Julius Heinrich Zimmermann eingebürgerte Schreibweise  "Balalaiken".  Zimmermann  ging  1876  von Mecklenburg nach St. Petersburg. Dort eröffnete er eine Musikinstrumenten- werkstatt, die zu den bedeutendsten Russlands zählte. Er war Hof-Lieferant für den Zaren und für die russische Armee. Weitere Werkstätten folgten in: Moskau, London, Riga.  Später ging er nach  Deutschland, wo er Reichstagsabgeordneter wurde. Weitere Musikinstrumentenwerkstätten und -handlungen gründete er in  Berlin, 1900 in Leipzig und 1919 in Markneukirchen.

In Markneukirchen wurden viele Balalaiken gebaut von dem bekannten Instrumen- tenmacher  Paul Fischer. In den Musikinstrumentenkatalogen der Fa. Zimmermann wurden am Anfang noch "Balalaikas" angeboten. In der Niederlassung in Leipzig stand aber auf dem  Firmenschild der Fa. Zimmermann:

"BALALAIKEN  UND  DOMREN".

                                                     Persönliches

Nicht nur theoretisch befasse ich mich  mit der Balalaika - und  das seit  über  40  Jahren  -,  sondern  ich besitze auch einige  Balalaiken und  lebe  in  trauter  Wohngemeinschaft mit einigen dieser Schönheiten und  (leider nur zeitweiligen) "Gespielinnen".

 

Meine  e r s t e  Balalaika  erhielt  ich  1965 - von meiner Mutter: ein Instrument aus Markneukirchen. Typ: Kastiger Korpus mit 2+5 Spänen (2 Zargen, 5 Boden- späne). Das Vorbild für diesen Typ sind die  Balalaiken der Firma Zimmermann (Leipzig, St.Petersburg, Moskau, Riga) von 1913.  Mein  ä l t e s t e s  Instrument   ist die oben gezeigte  Balalaika aus der Werkstatt von  S j u s i n , gebaut  ca. 1900  in St. Petersburg.

Besonderheiten: Decke mit Isba-Golosnik, 7 Späne (wie sie später sein Schüler Galinis baute), Geigen-Steckwirbel, geringe Steghöhe, und mit der historischen Andrejew-Mensur von 9  7/8 Werschok  (43,89 cm).

 

Natürlich fehlt auch nicht  die billige, aber trotzdem legendäre "Olympia Moskau 1980 - Balalaika" (damaliger Preis: 7r. 70k.) mit Kunststoff-Korpusschale.

Bei dieser "lassen grüßen": die Trabbi-Karosserie (Baumwolle/Phenoplast-Gemisch), aber auch die  Ovation-Gitarre. Die berühmte "Martin Ovation", die ebenfalls einen Kunststoff-Korpus (Roundback) mit einer Holzdecke kombiniert,

gilt als Kultgitarre und wird gerühmt wegen ihres  exzellenten seidigen Klanges.

Jetzt wird´s  akademisch:   3 Professoren

Einen  intensiven  Zugang  zur  russischen  Volkslied- und  Volksmusikkultur eröffneten mir meine Vorlesungsbesuche  im  Fachbereich Slawistik an der Uni Tübingen und insbesondere meine Teilnahme am  Slawistischen Colloquium 

im WS 1968, geleitet von  Professor  Wolfgang Kretschmer.

Ein wichtiges Erlebnis war die Begegnung mit  Professor Michael Goldstein,

den ich 1977 persönlich kennenlernen durfte, zu der Zeit, als er sein Buch

"Michail  Ignatieff  und die Balalaika"  schrieb  ( 1. Auflage 1978 ).

Dankbare Erwähnung verdient  Professor  Heinrich Schauerte ( gest. 1975 ), Professor  für Volkskunde  in Paderborn,  zu dessen  engstem  Schülerkreis  ich

gehören  durfte. Sein "Triumvirat" bestand aus Dieter Zeller ( Berlin ), Wolfgang Jokschus  ( Husum ) und mir.  Nicht  nur  Themen der  deutschen, auch der 

o s t s l a w i s c h e n  Volkskunde waren Bestandteil der Vorlesungen und Seminarveranstaltungen  von  Prof. Schauerte.  Unvergessen  sind  seine  Vorlesungen über den Patron Russlands, den heiligen  Nikolaus von Myra und dessen Verehrung im Brauchtum Russlands und anderer christlicher Länder.

Die Kirche des hl.Nikolaus in Nowgorod  - so berichtet  eine bekannte russische Byline -  ließ  Sadko  erbauen, der  legendäre  Guslispieler  von  Nowgorod.

So verbinden sich auf wundersame Art  Instrumentenkunde mit religiöser Volkskunde. Die  Gusli  war seit dem 12.Jhd. das nationale Musikinstrument der Russen. Auch im 19. Jahrhundert wird es als solches aufgeführt. Am Ende des 19.Jhds. begann dann der Siegeszug der  Balalaika. Maßgeblichen Anteil daran hatte Wassili Andrejew.

Kaminholz & Musikholz

Bild oben  und  Bild nebenan:

Viele Instrumente sind arg lädiert

und müssen repariert/restauriert werden,

damit ihnen das "Kaminholz-Schicksal" erspart bleibt.

 

Willst  Du  all  deine  Zeit  verlieren

und  weißt  nicht  wie ?

Greif´ zu  alten  Musikinstrumenten

und  restauriere  sie .

 

Mein Kaminzimmer mit einer 1,60 Meter hohen 3/4 Kontrabass-Balalaika

Diese Homepage existiert seit Juni 2012.  Sie  mehrmals  zu besuchen ist sinnvoll, denn "die Seiten ändern sich". Die Texte werden aktualisiert, kontrolliert, korrigiert und überarbeitet.

Bei Zitaten aus dieser Website, bitte, die  a k t u e l l e  Fassung

berücksichtigen!

Die Website ist aus Einzelaufsätzen und -vorträgen entstanden, deshalb gibt es in den Kapiteln leider viele Überschneidungen und Wieder-holungen, obwohl die Dewey-Dezimalklassifikation zur Ordnung ruft.

Die Wiederholungen  sind leider notwendig, weil keinem zugemutet werden kann, die   g a n z e   Website  in  1 Stück  zu lesen.

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