www.russische-balalaika.de

                         Всё о балалайке

         KULTURGESCHICHTE  -  AUFBAU  -  TECHNIK 

            7 Kapitel  über  die  russische  Balalaika   

                             Die  Balalaika 

und  ihre  Verwandtschaft   mit   den  alt-russischen,

finno-ugrischen, asiatischen   und  alt-orientalischen 

                         Saiteninstrumenten 

TANBUR,   DOMBRA,   GUDOK,   GUSLI,   PSALTERIUM,

                                     и др.

Kürbisbalalaika   -   Holztrogbalalaika  Holzbaubalalaika Persische Tanbur     -    Kaukasus-Balalaika    -    Dombra  Domra   -    Baglama   -   Gudok   -   Jouhikko   -  Kantele  Psalterium  -  Gusli  -  Bandura  -  Kalebasseninstrumente

Russische Balalaika. Typ: Andrejew-Balalaika (seit 1895). Allgemeiner Aufbau.

           Herzlich  willkommen  auf der Website

                   www.russische-balalaika.de

Dies  ist  eine   INFORMATIVE  WEBSITE über  das  Musikinstrument  BALALAIKA und mit der Balalaika verwandte Instrumente.

. . .  Alles aus meiner Sicht.  Die Website bemüht sich um Sachlichkeit.

Keine schwärmerische "Russische-Seele-Romantik"!  - - -  Anmerkung:

Das Wort "Balalaika" wird auch angewandt auf nicht-dreieckige Tanbur-Instrumente im Kaukasus, im Altai und anderen Regionen.  Auch diese Instrumente werden hier vorgestellt, aber Hauptthema ist die russische Balalaika und ihre Entwicklung vom schmalen holzgeschnitzten Dreiecks-

korpus bis zum breiten Psalteriums-Dreieck der  "Andrejew-Balalaika".

Die Texte und Bilder sind in BILDERRAHMEN eingefügt. Die Website präsentiert sich sozu-

sagen als "Balalaika-Ausstellung":

Eine Ausstellung von Bild- und Texttafeln.

 

Zu  Beginn  gleich  ein  erstes  Balalaika-Exponat: Eine Prim-Balalaika aus der Werkstatt von Iwan A. Sjusin, St.Peterburg um 1900, mit  viereckigem Isba-Fenster-Golosnik  und  Geigen-Steckwirbeln. (Golosnik = Schallöffnung. Isba = Hütte)

 

Im aufgehellten Bereich des Bildes  ist die  Isba´(Hütte) gut zu erkennen. Heutige Balalaiken haben ein  r u n d e s   Schallloch und  Saiten-Wirbel mit Zahnradmechanik.

Die Balalaika-Familie: Links die 4/4-Subkontrabass-Balalaika; rechts die kleine Diskant-Balalaika. Die Diskant-Balalaika wird heute nicht mehr gebaut. Im Jahr 1916 gab es 6 Bau-Größen. Heute sind es 9 Baugrößen und 6 Stimmlagen.

Rot markiert: die PRIM-BALALAIKA (in ihrer historischen Position im Jahr 1906).

Auf die Angabe der I n s t r u m e n t e n - B r e i t e  wurde in der obigen Tabelle verzichtet.  Es gilt zwar das Norm-Maß:  Korpusbreite = Mensur, aber viele Instrumentenbauer bestimmen die Breite frei  und oft intuitiv.

 

                          DIE SAITENFÜHRUNG

Die folgenden beide Skizzen zeigen die Saitenführung einer Prim-Balalaika und einer Kontrabass-Balalaika  (3/4 KB-Balalaika).

Zu Grunde gelegt ist die Strecke der längsten Saite (= tiefste Saite).

                   FRAGEN   ZUR   BALALAIKA   

    Часто задаваемые вопросы о балалайке

Wie ist eine Balalaika aufgebaut?

Warum ist die Balalaika dreieckig ?  War es immer schon so ?

Was haben  Kürbis,  Backtrog  und  Sarg  mit einer Balalaika zu tun ?

Balalaika 2-saitig, 3-saitig, 4-saitig, 6-saitig: trotzdem gleiche Stimmung ?

Wie sind die Saiten der Balalaika gestimmt ?

Warum ist die Balalaika ein 1,54er - Langhals , die Gitarre ein "1er Langhals" ?

Wo kommt die Balalaika her?  Was ist ihr kultureller Hintergrund?

Welches sind die Vorfahren der Balalaika?

Welche Instrumente  sind mit der Balalaika verwandt?

Was ist eine "Schweinskopf-Balalaika" ?

Welche Balalaiken haben einen Stachel?

Sind bunt bemalte Balalaiken spielbar -  oder sind sie nur Deko ?

Warum wird oft die mittlere Saite nicht  m i t t i g  über den Steg geführt ?

                                K e i n e    I n f o r m a t i o n e n  

gibt es hier über die sibirische Blaubeersorte "Balalaika",  das Cocktailgetränk "Balalaika" und andere Dinge, die den Namen "Balalaika" tragen:  Musik-Schrank, div.Hotels & Bars, Kinder-Schaukelstuhl, Wodka-Sorte, div. Schlagertitel, Eisloch-Angel, Manga-Mädchen,  frz. Parfum,  Räucherstäbchen,  Rhododendron, die  sowjetische Maschinenpistole des 2. Weltkriegs  "Shpagin PPSch 1942/43" ("Balalaika"), die 1947 (!) durch die AK-47 "Kalaschnikow" abgelöst wurde. 

.. и др. Leider gibts hier auch keine Informationen über den Einsatz der Balalaika bei den Musikbands "Jethro Tull" und "Katzenjammer", denn primäres Thema  ist: Die Balalaika als russisches Volksinstrument in der Tradition der persischen Langhals-Laute Tanbur.

 

Die nachfolgende REGISTERKARTE zeigt, wie die Balalaika gestimmt wird.

                  Zwei  historische  Bauweisen:

Balalaiken  aus Kürbis  und  geschnitzt  aus Birkenholz 

Kürbis-Balalaika :

Eine Balalaika mit

rundem Korpus

 

Gogol´scher Rundkürbis von 1842.

 

Der gemeimnisvolle Klang der Balalaika leuchtet  bereits aus ihm heraus  :)

 

 

Der  "Gogol´sche Rundkopfkürbis"  war allerdings  kein Gartenkürbis, wie auf dem Foto abgebildet, sondern eine  moldawische "Gorljanka", ein  Flaschenkürbis  mit großem kugelrunden Kopf, so groß  w i e  ein Gartenkürbis.  Mit einer daraus hergestellten  runden  Balalaika  verzauberten die jungen Burschen in Russland die Herzen der Mädchen: So berichtet  i.J. 1842  N. W. Gogol  in seinem Roman "Tote Seelen".

Der russische Komponist und Balalaika-Virtuose  Iwan J. Chandoschkin (1747-1804) spielte eine  Kürbis-Balalaika, die innen mit Glaspulver beschichtet war. Fürst Potemkin, der Geliebte der Zarin Katharina II. der Großen, war ein großer Bewunderer seines Spiels auf dieser Balalaika.  - Kürbisse konnten quer- oder  längsgeschnitten sein.  Foto oben:  ein  q u e r - geschnittener Kürbis.

DREI  HISTORISCHE  RUSSISCHE  SAITENINSTRUMENTE,

herausgeschält  je  aus 1 einzigen Stück Birkenholz:

 

BALALAIKA   +   GUSLI-PSALTERIUM   +   GUDOK

Birkenstamm, 70 cm lang: das "Mutter-Holz" dreier historischer Instrumente: 1. schmale Balalaika ("Tanbur-Balalaika"), 2.Dreieckige Kantele (= Gusli, Psalterium), 3. Kurzhalsiger Gudok ("Lira").
Birkenholz, aufgesägt: Rohling für ... eine Balalaika ... oder eine Gusli ... oder einen Gudok
Balalaika. Korpus, Hals und Wirbelbrett sind aus 1 einzigen Stück geschnitzt. Decke ist aufgeleimt. Der hypothetische Nachbau vereint die Formvarianten "ovaler Löffel" und "dreieckiges Bootspaddel"
Gusli. Finnische Kantele. Psalterium. Trog-Zither. Schmaler Korpus aus 1 einzigen Stück. Die Decke ist aufgeleimt. Die 5 Saiten verlaufen strahlenförmig, nicht parallel. Sie bilden ein dreieckiges Saiten- feld. Die Korpusform entspricht dem Saitenfeld.
Gudok. "Nowgorod Lira". Ein traditionelles russisches Instrument (seit dem 12. Jhd.), aus Birkenholz geschnitzt. Die Decke ist aufgeleimt. Der Gudok ist ein Streichinstrument: eine 3-saitige Rebec-Geige

Nicht-dreieckige  Holz-Balalaiken  ( Tanburen ) aus den Gebirgsgebieten  Kaukasus und Altai.

    "Berg-Balalaiken"  (горские балалайки)

Tschetschenische PONDAR. (Pandura) Gorskaja balakaika (Kaukasus-Balalaika)
"Altai-Balalaika" TOPSCHUR
Georgische Balalaika PANDURI ("Kaukasus-Balalaika"),19 Bünde. Die alte Panduri hatte nur 7 Bünde

                  BALALAIKA   UND   DREIECK

Während  andere  Halslauten-Instrumente  - wie Violine, Mandoline und  Gitarre - ausgeklügelte gerundete und kurvenreiche Korpusdeckenformen besitzen, präsentiert sich die  RUSSISCHE  BALALAIKA  in einer puristischen Dreiecksform.

Der Dreieckskorpus hat eine lange instrumentengeschichtliche Tradition. 

Es verweist auf zwei uralte legendäre historische  Musikinstrumente :

 

D r e i e c k s  -  H a r f e                 ( Winkelharfe, Rahmenharfe )  und  

D r e i e c k s  -  P s a l t e r i u m    ( Zither, finn. Kantele, russ. Gusli )

 

Diese  Dreiecks-Instrumente  wurden seit jeher gerühmt wegen  ihres  

                      " D U L C E   M E L O S " . 

dulce  =  süß, lieblich, betörend.  ( russ.: сладко ) 

melos =  Eine Folge von Tönen, Lied, Gesang, der "melodische" Klang.

Mit ihrem  dulce melos  verzauberten  die  Musik-Dreiecke  HARFE  und

PSALTERIUM  zu  allen Zeiten  die Ohren  ihrer Zuhörer. Die Psalterien

Zither,  Gusli,  Kantele  und  Bandura  verzaubern  bis  heute.

Die  BALALAIKA  mit  ihrer  DREIECKSFORM  tut  desgleichen,  denn

die  Balalaika  (unter dem Aspekt eines funktionalen Klangkörpers betrachtet)  ist nichts anderes als ein  DREIECKS-PSALTERIUM  mit  3 Saiten, an dessen oberer Korpus-Ecke ein Lauten-Hals angesetzt ist: 

ein  Hybrid-Instrument  also,  das  Zither  und  Laute  in  sich  vereinigt.

Eine Laute  mit der Dreiecks-Form  und  dem Klang  des Psalteriums.

         

             Kaк  непередаваемо  сладко 

                 звучит  русская  балалайка !

Wozu Balalaika spielen? Antwort hier! ( Bild-Detail einer bemalten Balalaika )

              Formgeschichtliche  Methode

Die Methode, die diese Website anwendet, um die Balalaika zu erklären, ist die formgeschichtliche Methode. Diese ist nicht zu verwechseln mit der bibelwissenschaftlichen Methode gleichen  Namens: dort geht es um literarische Gattungen, hier geht es um "Formgattungen":  historisch gewachsene Instru-mentenformen, wie sie in der Balalaika-Phylogenese auftauchen.

 

             HALBKREIS, TRAPEZ  UND  DREIECK :

3 programmatische Formen der Balalaika-Phylogenese

 

Saiteninstrumente haben sich im Laufe ihrer Geschichte oft radikal gewandelt, viele haben sich "gehäutet" und ihre alten Formen hinter sich gelassen. Auch die Balalaika hat zahlreiche Veränderungen erfahren.

Aber im Gegensatz zu anderen Saiteninstrumenten hat die Balalaika die Spuren ihrer Vergangenheit nicht getilgt, sondern bewahrt ("konserviert"). In diesem Sinne ist sie ein "Musik-Konservatorium". 

Die historischen Formen, die die Balalaika "konserviert" hat, bestehen nicht  zusammenhanglos  nebeneinander  wie  Ausstellungsstücke in  einem  schlecht eingerichteten Museum, sondern sind aufeinander abgestimmt, sind eingefügt in ein  PROPORTIONS-SCHEMA  und  bilden eine organische Einheit.
Die Balalaika ist ein "hölzernes Lehrbuch" wichtiger Kapitel der Kultur-geschichte der Saiteninstrumente. Diese Geschichte ist an der äußeren Form der heutigen Balalaika ablesbar.

 

Ontogenese  und  Phylogenese

Die Bauzeit einer Balalaika beträgt heute wenige Wochen. Nach dieser kurzen Zeit ist ihre "Ontogenese"(Einzelentstehung) abgeschlossen.

Das Erstaunliche: Die heutige "ontogenetische" Erscheinungsform der Balalaika präsentiert eine  Rekapitulation  der  Jahrtausende währenden "Phylogenese" (Entwicklungsgeschichte) dieses Instruments.  Wie kaum ein anderes Saiteninstrument macht die Balalaika wesentliche Kapitel ("Re-Kapitulation") der Geschichte des Saiteninstrumentenbaus präsent. Sie präsentiert diese Geschichte  in einer geometrischen Formensprache. Folgende "phylogenetische" Formen werden miteinander vereint: 

Bauchige Schale (Halbrund), Kastiger flacher Trog (Trapez) und Dreieck.

Балалайка. Die 3 prägenden Formelemente der heutigen Balalaika: Trapez, Halbkreis, Dreieck.

Zur Skizze:

Die  Korpus-Form  der  heutigen russischen  Balalaika  wird  bestimmt  durch  drei  Form-Charakteristika: 

 

Die 2 räumlichen  Gefäßformen  "TROG"  und   "HALBKUGEL-SCHALE"  und  die  Flächenform  "DREIECK" (Der "Gefäß-Deckel")

Vergrößertes Schema: siehe Bilderschau unten

TROG   (Längs- u. Querschnitt)    . . . . . . . .   TRAPEZ

Das schräge plane Hinterbrett (russ.: Sadinka) (engl.: transom) und die schräg gestellten  Zargen-Späne der Balalaika verweisen auf das uralte universale Formschema des  Holztrogs  ( Backtrog, Waschtrog, Sarg ).

 

RUNDSCHALE  (Längs- u. Querschnitt)  . . . HALBKREIS

Die gewölbte Korpus-Unterschale ("roundback") der Balalaika weist hin auf zwei alte historisch bezeugte Balalaika-Bauarten:

1) Kürbis-Balalaika (die Balalaika steht in der Tradition der Jahrtausende alten Kalebassen-Instrumente. Vorbild: die  persische Tanbur)

2) Holzlöffel-Balalaika (Das Vorbild ist hier ebenfalls die  persische Tanbur)

 

DREIECK  (Draufsicht auf das Deckbrett)  . . . DREIECK

Die auffällige dreieckige Form der Balalaika-Resonanzdecke verweist auf die uralten historischen  Dreiecks-Instrumente  HARFE  (Dreiecks-Rahmen)  und  PSALTERIUM  (Dreiecks-Kasten).  Die  dreieckige Form des  Psalteriums 

(russisch "Gusli") ist zum wichtigsten optischen Erkennungszeichen der russischen Balalaika geworden. Auch der "Dreiecksklang" des Psalteriums findet sich im Klangspektrum der Balalaika wieder.  Die kaukasische Balalaika "Pondar" hat sich - anders als die russische Balalaika - nicht zum Dreieck entwickelt. Ihr Deckenumriß zeigt seit dem 10. Jhd. bis heute die puristische  Rechteckform  eines  Holzscheits  (Bildleiste links).

Die "Eltern" der Balalaika  =  Kürbisschale (tykwa)  &  Holztrog (koryto).

Das Erbe dieser beiden "Elternteile"  heute noch an der Form der russ. Balalaika ablesbar:  die  Schalenform  des Kürbis  und  die  Trapezform  des Troges.

Das schräge Stirnbrett des Troges wird "Sadinka" genannt (sad = hinterer Teil). 

Einige kasachische "Balalaiken" (= Dombren) weisen bis heute eine reine Kasten-Trogform auf: umlaufender senkrechter "Pfannen-Rand", ohne  Sadinka-Schräge.

WAS   BEDEUTET   DAS  Y - FAVIKON  ?

 

Wenn  Sie  diese  Seite  als  Lesezeichen  setzen,  erscheint  als   FAVIKON   das  umgekehrte  Y

Es  hat  eine  dreifache  Bedeutung:

1) PIKTOGRAMM

Das  Y  als  Balalaika-Symbol: eine stilisierte Abbildung der Balalaika. 

 

2) DIAGRAMM

Das Y  ist Darstellung der 2  "Stammbaumlinien" der Balalaika:

1. Linie:   Lauten aus Kürbis  oder  aus Holz.        (Lautenfamilie)

2. Linie:   Psalterien  mit dreieckiger Deckenform.  (Psalterfamilie)

Beide Linien vereinen sich zur Andrejew-Balalaika.

 

3) GLIEDERUNGS-SCHEMA 

Das  Y ist eine Gliederunsgrafik. Es zeigt das 4-teilige Aufbauschema der Website.

Die 4 Gliederungselemente sind:  

Die 3 Balkenlinien  und  das von den beiden Schrägbalken gebildete Dreieck.

Natürlich ist das Y umgedreht: die Balalaika würde ja sonst umkippen. Außerdem erscheinen so die 2 Y-Arme korrekt als Wurzeln und nicht als Äste des Stammes.

 

Die Erklärung des  4-teiligen  Gliederungsschemas  erfolgt  auf  der

                            nachfolgenden  gelben  Registerkarte :  

 

1. Kapitel   (= Der senkrechte Y - Stamm):

      Der Stamm des  Y stellt die  "Ergebnislinie"  der Balalaika-Entwicklung dar. 

      Er verweist auf die heutige Balalaika: die "Andrejew-Balalaika".

      (Schwarzer Pfeil: Hinweis auf mögliche Weiterentwicklung der Balalaika.)

      Die Kapitel 2+3 wollen ergründen, wie es zur heutigen Balalaikaform kam.

 

2. Kapitel  (= Die zwei  Y - Schrägbalken):

      Die beiden Schrägbalken verweisen auf die  2 "Bau-Linien"  der Balalaika :
      Die  "Kürbis-Ahnenlinie"  und  die  "Holztrog-Ahnenlinie"  der Balalaika.

2.1. Balalaiken aus Kürbis: Rund- und Flaschenkürbis  

2.2. Balalaiken  aus  Holz : Trog - Schale - Kasten

                        

3. Kapitel  (= Das Y - Dreieck).

       Das Dreieck bedeutet:  Dreiecks-Psalterium. 

       Das 3. Kapitel stellt dar, wie die Dreiecksform des Psalteriums auf die 

       Formwerdung der Holz-Balalaika eingewirkt hat und zur  b r e i t e n

       Dreiecksform der russischen Balalaika ("Andrejew-Balalaika") geführt hat.

 

Die Farbe Violett:  Farbe  der  Transzendenz

Für  das  Y  wurde  die  Farbe  Violett  gewählt.  Die  Symbolik  ist  folgende:

Violett gilt als  Farbe  der Transzendenz.  Sie markiert die obere Grenze im sichtbaren  Farbsprektrum.  Das Violett weist auf den  Klang  der  Balalaika 

hin, der von vielen Menschen als "transzendent"  ( das Irdische übersteigend ) wahrgenommen und als  "überirdisch schön"  beschrieben wird.

 

Im Blickwinkel Y der Balalaika:  das Gusli-Psalterium

Die beiden Äste des  Y  bilden einen "Blickwinkel": Die russische Balalaika hat

im Laufe ihrer Entwicklung "in den Blick genommen"  die Gusli, ein russisches Psalterium, eine breite Kastenzither, und sich an ihr orientiert.

Der Korpus der Gusli hatte die Form eines Flügels, eines Halbkreises (Helmform)

oder eines Trapezes ("Hackbrett"). Sehr beliebt in Russland war die Helmform

(schlemovidnyje gusli).

Die  Gusli  ist in Nowgorod seit dem 12. Jhd. bezeugt.  Mit seiner Gusli hat der legendäre Nowgoroder Kaufmann  Sadko  die Herzen der Menschen verzaubert. 

Die Balalaika wollte mit ihrem Klang es der Gusli gleichtun. 

Balalaiken gab es in vielen Formvarianten. Der Korpus konnte rund sein oder oval oder rechteckig oder die Form einer schmal-dreieckigen Schaufel haben.

Um wie eine Gusli zu klingen, musste das Lauteninstrument Balalaika die breite Korpusform der Gusli annehmen. Von den vielen Formvarianten  der alten Balalaika war dafür  e i n e  Form am geeignetsten:  die "Lopata-Balalaika" (лопатообразная балалайка) (lopatoobrasnaja balalaika) (lopata=Schaufel).  Ihre  s c h m a l - dreieckige bzw. trapezoide Schaufelform (auch Paddelform) hat eine große Ähnlichkeit mit dem Wirbelbrett (lopatka) der heutigen Balalaika.

Aufbauend auf diesen schmal-dreieckigen Balalaika-Formen entwickelte Wassili Andrejew 1884 die  heutige  b r e i t - dreieckige Balalaika. Andrejew verbreiterte den Balalaika-Korpus nach dem Vorbild der schlemovidnyje gusli, der Helm-Gusli.

Es entstand die sog."Andrejew-Balalaika", nach deren Vorbild alle heutigen Balalaiken gebaut sind.

Diese Balalaika ist eine Tanbur/Psalterium-Hybride, ein Brücken-Instrument, eine Laute, die eine Brücke schlägt zum Korpus-Umriß des Psalteriums. Somit ist sie

eine Zusammenführung  von  Laute + Psalterium.  ( Davon im 3. Kapitel )

 

Von  der  Helm-Gusli  zur  Helm-Balalaika

Die Helmform der Gusli ist in der der heutigen Balalaika immer noch unschwer zu erkennen. Die halbrunde Helmform der Gusli  hat sich jedoch zum spitz-dreieckigen "phrygischer Helm" gewandelt: "phrygische Mütze",  "skythische Mütze", "persische Mütze" (Kopfbedeckung des persischen Gottes Mithras).

 

Exakt gesehen sind sowohl die Helmform der Gusli als auch die Dreiecksform

der Balalaika  Dreiecke mit (parabolisch) nach außen gekrümmten Seitenlinien.

Die Korpus-Unrißform der Andrejew-Balalaika ähnelt einem Konus-Helm.

 

Die  Balalaika-Dreiecksform:   Helm  und  Flügel

Die breite Dreiecksform der heutigen Balalaika wird sowohl beschrieben als 1)Helmform (schlemovidnaya balalaika)

2)Flügelform (krylovidnaja balalaika).

(krylo = Flügel von Vögeln und Faltern)

Der Balalaikaflügel ist ein Delta-Flügel

und als solcher ein Doppel-Flügel.

 

Helm und Flügel sind typische Psalteriums-Formen: Die Gusli ("russische Zither") besitzt sowohl eine Einfach- als auch eine Doppelflügelform ("krylovidnye gusli"). Letztere wird auch als Helmform bezeichnet ("schlemovidnye gusli") (schlem= Helm)

 

Nach dem Vorbild der Gusli schuf 1884 Wassili Andrejew  eine Verbreiterung des Dreieckskorpus der Balalaika.

Seitdem gilt als (ungefähres) Richtmaß: 

 

DIE  KORPUSBREITE  DER  BALALAIKA   (IHRE  "FLÜGEL-SPANNWEITE")

ENTSPRICHT  DER  LÄNGE  IHRER  MENSUR

                   Von  der  persischen  Tanbur 

                      zur  russischen Balalaika

Tanbur. Gusli. Balalaika

Die Balalaika  geht  auf die  im alten Persien (6. -4. Jhd. v. Chr.) verbreitete  Langhals-Laute "Tanbur" zurück. 

 

"Tanbur" bedeutet "Musikbogen", also ein langer Holzstab mit einer darüber gespannten Saite, an dessen Ende ein Resonator (Kürbis, Holzschale) angebracht war. Dieser war anfangs sehr klein, wurde aber, um einen stärkeren Klang zu erreichen, immer mehr vergrößert. In einer weiteren Stufe der Entwicklung wurden Holzstab ("Bogen") und Resonator aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt.

Aus Persien hat dieses Instrument über das Kaspische Meer und den Kaukasus

seinen Weg nach Russland gefunden und wurde dort "Balalaika" genannt. In Russland bekam der Korpus der Tanbur-Balalaika seine typische dreieckige Form.

Skizze oben:

Rot: TANBUR-BALALAIKA. 2 Varianten:  (ovale Form) und  (Paddel-Form).

Blau: PSALTERIUM  ( = RUSSISCHE GUSLI ) 

Violett: HEUTIGE BALALAIKA ("Andrejew-Balalaika") = Tanbur + Psalterium.

 

Skizze unten: Eine heute sehr verbreitete "Kinder-Gusli" (Grundform: Dreieck)

Die Gusli ist mit der Farbe BLAU (= Farbe des Meeres) umrandet. Der Guslispieler  Sadko spielte, so erzählt eine Byline, sein Instrument auch auf dem Meeresgrund.

Гусли. Gusli-Psalterium, Trapezform. Die das Trapez umschreibende Grundform ist das Dreieck.

                                          Balalaika-Grammatik

Wie  muß  es  heißen:    Balalaikas   oder   Balalaiken ?

Beide Pluralformen sind möglich.  Ich  verwende  die  traditionelle, durch  den deutsch-russischen "Musikinstrumenten-Zaren" Julius Heinrich Zimmermann eingebürgerte Schreibweise  "Balalaiken".  Zimmermann  ging  1876  von Mecklenburg nach St. Petersburg. Dort eröffnete er eine Musikinstrumenten- werkstatt, die zu den bedeutendsten Russlands zählte. Er war Hof-Lieferant für den Zaren und für die russische Armee. Weitere Werkstätten folgten in: Moskau, London, Riga.  Später ging er nach  Deutschland, wo er Reichstagsabgeordneter wurde. Weitere Musikinstrumentenwerkstätten und -handlungen gründete er in  Berlin, 1900 in Leipzig und 1919 in Markneukirchen.

In Markneukirchen wurden viele Balalaiken gebaut von dem bekannten Instrumen- tenmacher  Paul Fischer. In den Musikinstrumentenkatalogen der Fa. Zimmermann wurden am Anfang noch "Balalaikas" angeboten. In der Niederlassung in Leipzig stand aber auf dem  Firmenschild der Fa. Zimmermann:

"BALALAIKEN  UND  DOMREN".

                                                     Persönliches

Nicht nur theoretisch befasse ich mich  mit der Balalaika - und  das seit  über  40  Jahren  -,  sondern  ich besitze auch einige  Balalaiken und  lebe  in  trauter  Wohngemeinschaft mit einigen dieser Schönheiten und  (leider nur zeitweiligen) "Gespielinnen".

 

Meine  e r s t e  Balalaika  erhielt  ich  1965 - von meiner Mutter: ein Instrument aus Markneukirchen. Typ: Kastiger Korpus mit 2+5 Spänen (2 Zargen, 5 Boden- späne). Das Vorbild für diesen Typ sind die  Balalaiken der Firma Zimmermann (Leipzig, St.Petersburg, Moskau, Riga) von 1913.  Mein  ä l t e s t e s  Instrument   ist die oben gezeigte  Balalaika aus der Werkstatt von  S j u s i n , gebaut  ca. 1900  in St. Petersburg.

Besonderheiten: Decke mit Isba-Golosnik, 7 Späne (wie sie später sein Schüler Galinis baute), Geigen-Steckwirbel, geringe Steghöhe, und mit der historischen Andrejew-Mensur von von  9  7/8 Werschok  (43,89 cm).

 

Natürlich fehlt auch nicht  die billige, aber trotzdem legendäre  "Olympia Moskau 1980 - Balalaika" (Preis: 7r. 70k.) mit Kunststoff-Korpusschale. Bei dieser lassen grüßen: die Trabbi-Karosserie (Baumwolle/Phenoplast-Gemisch), aber auch die  Ovation-Gitarre. Die berühmte "Martin Ovation", die ebenfalls einen Kunststoff-Korpus (Roundback) mit einer Holzdecke kombiniert, gilt als Kultgitarre und wird gerühmt wegen ihres  exzellenten seidigen Klanges.

Hilfe !  Jetzt wird´s  akademisch:   3 Professoren

Einen  intensiven  Zugang  zur  russischen  Volkslied- und  Volksmusikkultur eröffneten mir meine Vorlesungsbesuche  im  Fachbereich Slawistik an der Uni Tübingen und insbesondere meine Teilnahme am  Slawistischen Colloquium 

im WS 1968, geleitet von  Professor  Wolfgang Kretschmer.

Ein wichtiges Erlebnis war die Begegnung mit  Professor Michael Goldstein,

den ich 1977 persönlich kennenlernen durfte, zu der Zeit, als er sein Buch

"Michail  Ignatieff  und die Balalaika"  schrieb  ( 1. Auflage 1978 ).

Dankbare Erwähnung verdient  Professor  Heinrich Schauerte ( gest. 1975 ), Professor  für Volkskunde  in Paderborn,  zu dessen  engstem  Schülerkreis  ich

gehören  durfte. Sein "Triumvirat" bestand aus Dieter Zeller ( Berlin ), Wolfgang Jokschus  ( Husum ) und mir.  Nicht  nur  Themen der  deutschen, auch der 

o s t s l a w i s c h e n  Volkskunde waren Bestandteil der Vorlesungen und Seminarveranstaltungen  von  Prof. Schauerte.  Unvergessen  sind  seine  Vorlesungen über den Patron Russlands, den heiligen  Nikolaus von Myra und dessen Verehrung im Brauchtum Russlands und anderer Länder.

Die Kirche des hl.Nikolaus in Nowgorod  - so berichtet  eine bekannte russische Byline -  ließ  Sadko  erbauen, der  legendäre  Guslispieler  von  Nowgorod.

So verbinden sich auf wundersame Art  Instrumentenkunde mit religiöser Volkskunde. Die  Gusli  war seit dem 12.Jhd. das nationale Musikinstrument der Russen. Auch im 19. Jahrhundert wird es als solches aufgeführt. Am Ende des 19.Jhds. begann dann der Siegeszug der  Balalaika. Maßgeblichen Anteil daran hatte Wassili Andrejew.

Kaminholz & Musikholz

Bild oben  und  Bild nebenan:

Viele Instrumente sind arg lädiert

und müssen repariert/restauriert werden,

damit ihnen das "Kaminholz-Schicksal" erspart bleibt.

 

Willst  Du  all  deine  Zeit  verlieren

und  weißt  nicht  wie ?

Greif´ zu  alten  Musikinstrumenten

und  restauriere  sie .

 

BILDER  EINER  AUSSTELLUNG

Das Erscheinungsbild dieser  Website  wird von  Bilderrahmen  bestimmt

("golden frames").  Nicht alle Bilderrahmen enthalten Bilder, es gibt auch sehr

viel Text. (Viel zu viel !  Eine Straffung des Textes ist geplant.)

Выставка в красном тереме ?

Die Website zeigt einen roten Tapetenhintergrund.  Das scheint darauf hin zu deuten, daß sie im  Terem-Palast des Moskauer Kreml  zu Hause ist. Aber der Schein trügt!  Ihre Heimat ist Wittenberge an der Elbe. (Die Mitte zwischen Berlin und Hamburg.)

Diese Homepage existiert seit Juni 2012.  Sie  mehrmals  zu besuchen ist sinnvoll, denn "die Seiten ändern sich". Die Texte werden aktualisiert, kontrolliert, korrigiert und überarbeitet.

Bei Zitaten aus dieser Website, bitte, die  a k t u e l l e  Fassung

berücksichtigen!

Die Website ist aus Einzelaufsätzen und -vorträgen entstanden, deshalb gibt es in den Kapiteln leider viele Überschneidungen und Wieder-holungen, obwohl die Dewey-Dezimalklassifikation zur Ordnung ruft.

Die Wiederholungen  sind leider notwendig, weil keinem zugemutet werden kann, die   g a n z e   Website  in  1 Stück  zu lesen.

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